GermGrief
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Label:
Eisenwald
VÖ:
10.01.2013
Referenzen:
Jean Michel Jarre, Teeth Of The Sea, Orbital, Devin Townsend, Amesoeurs, Alcest, Vaura, Deafheaven
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Autor: |
| Uli Eulenbruch |
Eine Vermengung von Electronica und Metal? Was könnte da schon schiefgehen? Nun, so Einiges, aber im Falle des Australiers Tim Yatras handelt es sich um jemanden mit tiefer reichendem Verständnis für Klangfarben und Texturen. Mit dem zweiten Album seines Soloprojektes Grief langt Yatras bis in die Frühzeit der Synthpioniere und schlägt kühn die Brücke zu modernem Post-Black-Metal – poppige Ballade und Space-Ambient inbegriffen? Wie kann das nicht schiefgehen?
So sehr auch die extremen Pole von „Grief“ voneinander entfernt scheinen, sind sie nur selten klar voneinander getrennt. Einzig die drei kürzesten Stücke wälzen sich im Zukunftsnebel analoger Synthesizer, insbesondere “An End“ mit seiner simpel-wehmütigen Melodie lässt dabei Yatras‘ Verehrung für Jean Michel Jarre durchscheinen. Nur die Pianoballade „How Can I?“ wagt sich noch weiter heraus und mag für manche ein Schritt zuviel sein, sie ist aber auch für ihren Einsatz einer blechernen Drum Machine bemerkenswert. Yatras ist abseits von Grief nämlich vor allem als Schlagzeuger aktiv und weiß nicht nur hier die angemessene Perkussion einzubringen, auch wenn er dabei selbst außen vor bleibt.
Zwischen zwei dieser kurzen Instrumentals donnert das längste Stück des Albums über fast neun Minuten. Mit einer gesunden Portion Hall auf so ziemlich jeder der rauschenden bis röhrenden Gitarren, ganz zu schweigen von Yatras‘ permanent in Tod und Verzweiflung zu stürzen scheinendem Schrei weiter im Hintergrund, wäre „Memorial Address“ schon imposant, doch als Zugpferd spannt Yaltras obendrein ein nimmermüde davonpreschendes Double-Bass-Donnern ein. Das tragende Akkordmotiv ist so weit gespannt wie einladend, so dass es sich auch nach der xten Repetition nicht abnutzen mag, auch als sich das Stück im Finale mit choraler Pracht in die Breite streckt, verliert es nicht die Tragkraft seines bisherigen Hochtempo-Marathons.
Ähnlich erhaben, doch bis auf eine schellende Beckenbedeckung perkussiv weniger dicht, kommt „I Can See It In The Stars“ wie ein nicht über die Stränge schlagender Devin Townsend daher. Deutlich scheinen Synthesizer in „Withering In Hell“s Melodie als helles Plinkern, zum Refrain von „The Stain Of Past Regrets“ oder im Wechsel mit Gitarrenpassagen in „Beneath The Cliffs“ als spaciger Neonstrang durch, doch auf subtilerer Ebene sind sie nahezu das ganze Album über präsent. „Grief“ verwebt metallene Rauschtexturen mit Synthesizern zu einem Meer aus phasenweise schimmernder, phasenweise chorartig droniger Klangfarbe, in das Yatras‘ Schlagzeug mehr oder weniger rapide Wellen schlägt. Der Triumpf dieses Albums ist, wie ihm dies nicht nur stimmig, sondern auch überaus abwechslungsreich gelingt.


