WarpaintWarpaint

Ein falscher Start der Drummerin, eine umgehende Entschuldigung, dann plötzlich beginnt es, das selbstbetitelte zweite Album des kalifornischen Quartetts Warpaint. Innerhalb einer Minute, als „Intro“ dann richtig angefangen hat, befindet sich der Hörer schon zu hypnotischem Schlagzeug und waberndem Bass in der Horizontalen.

Etwas mehr als drei Jahre nach Erscheinen des Debüts „The Fool“ merkt man „Warpaint“ vor allem eines recht schnell an: Die Karten wurden neu gemischt, kein Stein liegt mehr auf dem anderen und was man vorher über die vier Damen zu glauben wusste, wird hier ordentlich in Frage gestellt. Mit neuen Sounds habe man laut Aussagen der Bandmitglieder herumexperimentiert, viele der Songs seien beim lockeren Jammen entstanden, während vor allem Rap und Soul als Inspiration dienten. Die erste Single „Love Is To Die“, die mit den bisher poppigsten Ambitionen von Warpaint aufwartet, steht dann gemeinsam mit dem Albumcover Pate für den neuen Sound: Die unschuldige und doch sinnliche Stimme von Emily Kokal paart sich mit einer gleichermaßen entspannten und verführerischen Melodie, während das kontrastreiche Artwork gerade durch seine hier und da verschwommenen Stellen für besondere Aufmerksamkeit sorgt.

Noch tiefer ins Schlafzimmer zieht „Go In“ mit seinem zurückhaltenden Schlagzeug und psychedelischem Gesang, bis der Song sich ab der Mitte in einen brodelnden Hexenkessel verwandelt, in dem das ausgereifte Zusammenspiel aller vier Mitglieder bestens zur Geltung kommt. Auf einen ganz anderen Trip begibt sich das ebenfalls vorab veröffentlichte „Biggy“, das bis ganz nach oben in den Ambienthimmel aufsteigt, nur um vom folgenden Stück wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt zu werden. „Teese“ startet als eingängig schunkelnde Nummer und endet schließlich, wie die meisten Songs auf „Warpaint“, in einem außergewöhnlichen Klanggemälde, das man sich stundenlang anschauen kann und doch immer wieder neue Feinheiten und einen besonderen Pinselstrich entdeckt.

Dass ein Großteil der Songs vor allem während Soundchecks und durch verschiedene Spielereien mit Akustikgitarren und Drum Machines entstanden ist, merkt man etwa dem auf der Promo-Tour bereits vorgestellten „Keep It Healthy“ an, das sich besonders durch seinen nach vorne gehenden Rhythmus auszeichnet. „Hi“ hingegen erinnert eher an eine psychedelisch-poppige Variante von Portisheads „Dummy“, und was auch immer die Mädels zu der schlichtweg wunderschön gestalteten Pianoballade „Son“ inspiriert hat – sie mögen bitte daran festhalten. Stand „The Fool“ womöglich noch für die Sturm-und-Drang-Phase von Warpaint und öffnete die Türen der Hörerschaft, schließt der Nachfolger die Band einfach dahinter ein, auf dass sie nie wieder verschwinden kann.

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