Stephen Malkmus & The JicksWig Out At Jagbags
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Label:
Domino
VÖ:
03.01.2014
Referenzen:
Pavement, Beck, Neil Young, Foxygen, Robert Pollard
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Autor: |
| Katja Diehl |
Mama I´m coming home. Es benötigt genau acht Sekunden um schlicht froh zu sein, dass Stephen Malkmus nicht aufhört, Musik zu machen.
Das gute Gefühl im Bauch, das allein durch seine Stimme entsteht, weil sie Erinnerungen weckt, das ist nicht zu leugnen. Never change a winning team. Es wummert und es schwummert mit „Planetary Motion“ zurück in beigefarbene Vergangenheiten rauchgeschwängerter kleiner Clubs. Man nähert sich der Tür, vor der ein schwerer Samtvorhang hängt und liefert sich mit einer Handbewegung dem dumpfen Sound aus. Es sind Songs wie „The Janitor Revealed“, die direkt anknüpfen an die alten Zeiten, ohne retro oder ewig gestrig zu wirken. Es ist schwer zu fassen, aber Malkmus bleibt sich treu, ohne zu langweilen. Er ist auch immer noch Pavement, natürlich, schließlich prägt vor allem seine Stimme das musikalische Gesamtwerk.
Was soll man von einem Musikkonglomerat erwarten, das Songs mit „Cinnamon & Lesbians“ betitelt und dazu sogar eine Eissorte erfindet? Darf man sich fragen, wonach Zimt und Lesben wohl schmecken? Ist das noch politisch korrekt? Malkmus ist das egal. Er scheint sich jenseits aller Kategorien zu bewegen, hat sich in den vielen Jahren seines Schaffens frei gespielt von Schubladen und Erwartungsdruck und lässt uns an dieser Freiheit teilhaben. „Lariat“ beschwingt mit seinen Tempowechseln, einer fröhlichen Instrumentierung und dem Bild, das Malkmus von dieser „love like oxygen“ zeichnet. Man ist auf den Punkt verliebt oder möchte es zumindest sein, damit so ein Song noch mehr Wirkung zeigen darf – und erinnert sich ein wenig an Sexy-mini-super-flower-pop-up, wenn man dem Text schlingernd folgt.
Und dann diese Perlen wie „J Smoov“ mit seinem Bläser-Solo und der ganz eigenen intimen Atmosphäre, herrlich albern-verspielte Details in – ja genau – „Chartjunk“. Der enthält eben genau das nicht, sondern ist musikalisch breit aufgestellt, paart Kirmeskapelle mit E-Gitarre und wird dabei doch am ehesten zum Popsong.
Ist es Ironie oder meint er es ernst? Stephen Malkmus & The Jicks lassen dem deutschen Winter einfach keine Chance. Sie spielen die grauen Wolken vom Himmel und lassen auf sehr vielen Stücken ein verschmitztes Lächeln blitzen. Aber zugegeben: „Wig Out At Jagbags“ kann jene nerven, die Texten nicht folgen wollen. Liegt der Fokus nur auf musikalischen Arrangements, so hat ein Song wie „Surreal Teenagers“ durchaus Längen und dreht vielleicht eine Runde zuviel. „If you choose to copulate, you better go home fast“ – da hat er aber doch Recht. Dies ist am ehesten ein Paket, das man aufschnüren und dann für sich die schönsten Stücke nach vorne packen kann. Da sich die Platte in ihrem Verlauf eher steigert als abzusacken, macht man das sogar mit einem guten Gefühl. Eben wie nach Hause kommen – oder ein alter Pullover, sehr vertraut, voller Wärme und für bestimmte Situationen im Leben genau das Richtige. Möglicherweise schwächer als sein toller Vorgänger „Mirror Traffic“, das in seiner durchschnittlichen Gesamtwertung über die einzelnen Songs hinweg klar mehr Punkte erhält. Aber wer Malkmus´ Arbeiten mag, ist auch einfach verwöhnt. Meckern auf hohem Niveau – das hat er selbst zu verantworten.




Vielleicht liegt’s auch nur daran, dass ich die mir im Ersteindruck zu verproggten letzten Alben kaum gehört habe, aber soviel Spaß hatte ich bei Malkmus schon lange nicht mehr.