Matt Elliotts Alben sind von jeher mehr Herausforderung denn leicht verdaulicher Zwischensnack. Daran ändert sich auch während der guten Dreiviertelstunde nichts, die er „Only Myocardial Infarction Can Break Your Heart“ gönnt. Doch irgendwie scheint so ein Quäntchen Erlösung und Erbarmen das Bewusstsein erhellt zu haben, auch wenn es gerade im eröffnenden „The Right To Cry“ wieder verdammt seelenschwer zugeht.

Soll man Elliotts musikalische Gepflogenheiten beschreiben, tauchen in der Regel Attribute wie „dunkel“, „schwer“, „verzweifelt“, „unnahbar“ oder „intim“ auf. Das dräuende, winddurchzogene Gitarrenspiel, meist in meisterhafter Perfektion vollzogen, umgarnt den fabelhaften Bariton des Briten und erschafft auch auf „Only Myocardial Infarction Can Break Your Heart“ atmosphärische Dichte, die ihresgleichen sucht. Elliotts Fingerpicking und die schnarrenden Streicher finden direkt am Anfang zueinander, lassen selbst während seines bislang vermutlich längsten einzelnen Stücks „The Right To Cry“ niemals Leerlauf zu, sondern steigern sich eher zu einer formvollendeten kleinen Suite, die nach der ersten Hälfte noch mal gestalterisch zulegt. Chorales Hintergrundsummen fungiert als Wegbegleiter, erhebt sich zum tosenden Strudel und bricht nach kurzer Atempause zum Schluss mit all seiner Urgewalt und höchsten Ausschlägen wieder aus.

Es ist Elliott anzumerken, dass er auf seinem aktuellen Album die Bürden von Verlust und Verzweiflung in den Hintergrund drängt. Nicht ohne Grund startet das folgende „Reap What You Sow“ wie eine Spieluhr in Zeitlupe, nimmt einmal Anlauf und kreist im anschmiegsamen Walzertakt vor sich hin. Es ist ein launiges Dahinschunkeln mit Augenzwinkern, das sich weit von der Stimmung seiner Albumvorgänger entfernt. Elliott bekommt es wie kaum ein zweiter hin, kammermusikalische Virtuosität mit verstiegener Folkanmutung zu kreuzen. So verschlingen sich die Melodien von Streichern und Gitarre während „I Would Have Woken You With This Song“ gegenläufig, treten wechselseitig in Vorder- und Hintergrund, ohne jedoch zu einem massiven Klangwust zu verschwimmen.

Die charakteristischen Flamenco-Anklänge sowie der besonders auf der „Songs“-Trilogie zitierte Einfluss osteuropäischer Folklore tauchen eher als zierendes Beiwerk auf. Zumindest im pianogelenkten „Again“ drängen sich ein ums andere Mal exotischere Akkordfolgen ins Ohr und Rhythmus und Tempo verschleppen sich zu einer torkelnden Moritat. Bezeichnenderweise beschert Elliott seinem wiederum rundum gelungenen Album mit „De Nada“, einem fast schlafliedartigen Kunstlied, ein zärtliches, anheimelndes Ende und holt den Puls wieder herunter.

Nicht viele Musiker schaffen es, ihre Stimme und vor allem die ihr innewohnende Stimmung in verschiedene, sich meist nur um Nuancen unterscheidende Kontexte zu bringen. Elliott hingegen meistert diese Disziplin mit höchster Präzision, ohne auch nur einen Hauch neben der Spur zu liegen. So bleibt der titelgebende Infarkt aus, der Schmerz aber darf bleiben.

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