tricotT H E
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Label:
Bakuretsu
VÖ:
02.10.2013
Referenzen:
Don Caballero, Pretty Girls Make Graves, Tokyo Jihen, Les Savy Fav, Toe
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Autor: |
| Uli Eulenbruch |
In manchen Augenblicken scheint es, als würde nur Hiromi Saganes Bass ihre Band davon abhalten, in alle Himmelsrichtungen auseinanderzustreben. Kurz vorm Ende von „Omotenashi“ ist das Schlagzeug hektisch darum bemüht, zugleich eine gemütlich ausgebreitete und eine rabiat abgehackte Gitarre in unkonventioneller Zählzeit zu begleiten, während das tieftönige Vibrieren davon wenig beeindruckt einen stoischen Anker bildet. Nicht das Chaos, sondern ihre Geschlossenheit prägt das famose Debütalbum „T H E“ der Gruppe tricot.
Seine berauschendsten Momente entstehen oft gerade dann, wenn das Kyotoer Quartett vereinten Kurs nimmt und seinen Spieldruck erhöht, wie im finalen Lauf von „Omotenashi“ oder über den Großteil des mit nur kurzen Atempausen hinwegrasenden „Tobe“. Innerhalb eines Songs wechseln tricot gerne ihre Dynamik zwischen entspannt freiräumigem Klang und druckvoll gefülltem, im grenzchaotischen „99.974“ ist dies sogar die einzige Konstante: Selbst den Bass packt die Springwut in einer der stetig wechselnden Sequenzen, die jeweils unterschiedlichen Songs entrissen scheinen, bis die Band nach kurzem Break immer wieder in den gleichen Refrain einfällt. Selbst mit tricots Gespür für ausdrucksstarke Riffs könnte das als verkopfter Instrumentalrock abenden, doch dem technisch komplexen Spiel steht der vor allem passioniert wirkende Gesang Ikkyu Nakajimas gegenüber, die intensive Emotion in Songs wie „Artsick“ so kraftvoll injiziert wie sie sich anderswo soft anschmiegt.
Durch Letzteren prägt Nakajima vor allem das gleitende Zentrum des exzellent sequenzierten Albums, bestehend aus dem mehrstimmig durchhauchten „Hatsumimi“ und „Ochansesu-su“, mit dem tricot in unter drei Minuten einen derart originellen Song geschaffen haben, dass „Songwriting“ für seine Entstehung weniger bezeichnend erscheint als „Architektur“. Das dazugehörige Video macht die Spielfreude sichtbar, mit der Nakajima, ihre Mitgitarristin Motoko Kida und Sagane über Kazutaka Komakis Breakbeat gleiten, sich die Riffs im kantigen Wechsel zuspielen und in ein geradezu ätherisches Schweben entspannen.
Mehr als spielerische Präzision zeichnet tricot aus, dass sie diese sowohl zum Ausdruck ungemeiner Weichheit als auch wuchtiger Intensität nutzen und obendrein keine Angst vor eingängigen Melodien haben. Die simpler strukturierten „Artsick“ oder „Tarattaratta“ sind Rockballaden, inmitten deren tragender Akkordanschläge Kidas Fingerläufe für kleine furiose Ausbrüche sorgen, „Cgpp“ könnte hingegen nahezu genau so von einer mathigen Post-Hardcore-Band aus den ländlichen USA stammen. Was für Musik soll das nun genau sein, die tricot auf „T H E“ machen? Genau so einfach wie der Titel müsste man wohl sagen: Rock. Und zwar wahnsinnig guten.




Diese Platte ist wirklich zum in die Knie gehn berauschend schön! Sonic Youth, J-pop, hinreissend!