Addiert man die Jahre der Lebenszeit der vier Mitglieder von Suns Of Thyme, hat man wahrscheinlich immer noch keine dreistellige Zahl. Dabei klingt das Debüt der Berliner schon unfassbar ausgeprägt und reif, das Stil-Spektrum reif und vielseitig. Doch schnell wird plausibel, warum diese Band schon Toy aus England auf Tour begleiten durfte. Ihre Soundreferenzen liegen bei ein wenig bei Joy Division (vom Stimmgestus meint man teilweise wirklich, Ian Curtis zu vernehmen), die kruden Kompositionen erinnern bisweilen an Siouxsie And The Banshees und der Psychedelic-Hauch wiederum trägt fast schon Züge von den Doors. Alles Bands, die sicher nicht mehr jede Mittzwanziger-Gruppe im Plattenschrank hat.

Doch das Quartett um Sänger Tobias Feltes meint selbst: „The Years We Got Are Not Enough“. Umso schöner, dass „Fortune, Shelter, Love and Cure“ keineswegs allzu sehr nach nostalgischer Epigonie klingt. So werden Suns Of Thyme gegen Ende fast schon ein wenig albern, wenn dort wabbrige Gitarrengeräusche kurzzeitig nachgeäfft werden. Der Rest der Platte ist hingegen recht homogener Rock, der sich mal in Lo-Fi-Attitüde wie auf der ersten Single „Soma (God For Gods)“ präsentiert, die dann auch inhaltlich dem Psychedelic-Paradigma gerecht wird: „There is more than just reality“. Treibender Shoegaze wie „The Way“ zügelt sich selbst perfekt und driftet trotz Tempoaufbau nie in Punk ab. Zu melodisch sind die Details geraten, zu betont singt Feltes, der ab und an auch ein wenig nach dem nasalen Paul Banks klingt.

In „One Song“ meint man zudem, eine Sitar zu vernehmen. Diese exotische Tendenz der Truppe, die äußerst gerne mit Kraut(-rock) zu hantieren scheint, zieht sich durch das gesamte Album und versetzt einen nochmal zusätzlich in Staunen, wenn man dann erfährt, dass „Fortune, Shelter, Love And Cure“ nahezu in Eigenregie entstand. Da tut es auch keinen Abbruch, dass nicht alle Arrangements so überzeugend und mitreißend eingängig geraten sind wie die der großen Psychedelic-Vorbilder Tame Impala. Ob Suns Of Thyme nun Nerds sind oder tatsächlich zu viel geraucht haben, kann einem am Ende ja ganz egal sein. Ein großes Debüt auch wegen des Überraschungseffekts, denn an dieser Soundästhetik und -stilistik orientiert man sich hierzulande ja nun wirklich nicht oft.

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