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The Soft Moon – Zeros

„Zeros“ heißt das neue Album von The Soft Moon. „Zero“ bezeichnet im Englischen die Null, 0° ist der Gefrierpunkt von Wasser in Celsius und mit der Hilfe von ein bisschen Wind fühlt sich das richtig kalt an. 0° Kelvin bezeichnen aber auch den absoluten Kältetiefpunkt bei -273°C. „Zeros“ wurden aber auch die gefürchteten japanischen Kampfbomber genannt, in denen der Angriff auf Pearl Harbor geflogen wurde.

Was soll diese Vorrede? Beide Verweise passen ganz gut zur Musik, die Luis Vasquez alias The Soft Moon auf „Zeros“ präsentiert. Diese „kühl“ zu nennen wäre maßlos untertrieben, seine Musik klingt wie in einem Gefrierhaus eingespielt, bleibt allerdings von zeitzerdehnender Pathos-Gothik, wie sie Zola Jesus spielt, zumeist meilenweit entfernt. An dieser Stelle kommen die japanischen „Zero“ ins Spiel, „Zeros“ kultiviert tatsächlich oft eine nicht zu unterschätzende akustische Angriffslust und perkussive Unruhe.

Für die Produktion von „Zeros“ hat sich Vasquez, wie schon für sein 2010er Debüt, allein ins Studio zurückgezogen und auf die Hilfe seiner Bühnenmitstreiter verzichtet. Das Album wird geklammert durch das einleitende „It Ends“ und den abschließenden Spiegel „ƨbnƎ ƚI“, zwischen denen sich die düstere Spannung und vorpreschende Intensität seiner Songs entfaltet. Vasquez‘ Musik – und das ist vielleicht der augenfälligste Unterschied zu den Vorgängerwerken – klingt minimal-synth-waviger und manche Stabs geradezu harsch offensiv. Seine Vocals integriert Vasquez zwar weiterhin als nahezu gleichberechtigte Soundquelle in das Gewebe aus Bass, Beat, Hall und Noise, er verfremdet sie indes nicht mehr durchgehend bis zur Unkenntlichkeit. Ob daraus ein neues Bewusstsein im Umgang mit seiner Stimme und damit verbunden eine deutliche Aufwertung der Lyrics einhergeht, werden wohl erst zukünftige Veröffentlichungen zeigen. Und wenn es nicht irgendwie seltsam klingen würde, könnte einem bei Songs wie „Insides“, „Lost Years“ oder „Want“ fast das Wörtchen „Popmusik“ über die Lippen kommen.

Dass „Zeros“ im November veröffentlicht wird, kann auch programmatisch interpretiert werden. Das Gesamtkunstwerk „The Soft Moon“ aus Selbstpräsentation, Soundästhetik, Artwork, Album-, EP- und Songtiteln schreit „Herbst“, „Winter“, „Vergänglichkeit“ und verweist auf die dunklen und unzulänglichen Seiten der menschlichen Existenz. Wer sich davon ein Bild machen möchte, dem sei die kongeniale Umsetzung einer Performance für Room 205 ans Herz gelegt.  „Zeros“ selbst fügt sich nahtlos in The Soft Moons Œuvre ein, fällt aber gerade deshalb etwas hinter das selbstbetitelte Debüt und die darauf gefolgte „Total Decay“-EP zurück.

Label: Captured Tracks

Referenzen: The Cure, Cold Showers, Cold Cave, To Kill A Petty Bourgeoisie

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VÖ: 09.11.2012

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