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Rezension: Owl City – Ocean Eyes

Am Ende dieser Rezension findet sich, wie immer, eine Liste mit musikalischen Verwandten. Kein Zweifel besteht an dem ersten Eintrag dort, denn es führt kein Weg um diese Konstatierung: Das Debütalbum von Owl City erinnert an mehr als nur einer Stelle schwer an The Postal Service, die 2003er Kollaboration von Death Cab For Cuties Sänger Ben Gibbard und Jimmy „Dntel“ Tamborello. Nicht dass die beiden die einzigen wären die Laptop-Pop mit sanft-folkigen Indie-Vocals verbunden hätten, allein in Deutschland gibt es entlang einer imaginären Achse von der Notwist-Heimat Weilheim bis zum Label Morr Music in Berlin über das vergangene Jahrzehnt genug Beispiele. Aber neben der völligen Abwesenheit von auch nur Spuren von IDM-Experimentalität (siehe auch: Folktronica) rückt vor allem der Gesang von Adam Young, die großäugige Art wie der Mann hinter dem Künstlernamen Vokale dehnt, Owl City in klangliche Nähe zu „Give Up“, dem Album, das dem Sub-Pop-Label seinen größten Erfolg seit Nirvana bescherte.

Kurios dann dass Young in Interviews beteuert noch nie etwas von dem Album gehört zu haben, dabei eine Unbedarftheit vermittelnd, die sich auch in seiner Musik widerspiegelt. Mit Beats, die Nutzern von Magix Music Maker zu einfallslos und Melodien, die Scooter zu primitiv wären ist sie die ideale, schmalzig-triefende Untermalung für Bauspar-Werbespots und die Momente, in denen in einer trashigen Reality-Soap alle Beteiligten am Ende eines sinnlosen Konfliktes eine „wichtige Lektion“ gelernt haben. Das allein wäre nur eine leicht verschmerzbare, lauwarme Langweilersuppe, dass die Musik so flach und schmächtig ist macht es jedoch unmöglich die Stimme im Vordergrund und, noch schlimmer, die von ihr verbrochenen Texte zu ignorieren.

Ein bisschen Twee mag nie schaden und aufgesetzte Coolness ist genauso peinlich wie falscher Pathos, aber es gibt einen Punkt, an dem das Betrachten der Welt mit der Naivität eines Fünfjährigen von potentieller Subversion in ein billiges Klischee übergeht, das gestandene Kinderbuchautoren wie Chuck Palahniuk aussehen lässt. Diese Grenze lässt Young in zwei Textzeilen vier Kilometer hinter sich: „If you’re the bird whenever we pretend it’s summer / Then I’m the worm, I know the part, it’s such a bummer,“ schmalzt Young in „The Bird And The Worm“, Wortfolgen wie „Leave my door open just a crack / Cause I feel like such an insomniac / Why do I tire of counting sheep? / When I’m far too tired to fall asleep“ zählen noch zu den anspruchsvollen Reimen und wer es ohne Lachen und/oder Eigenlobotomie durch den Text von „Dental Care“ schafft muss schon aus ganz hartem Holz geschnitzt sein.

Youngs durchgängiger Autotune-Gebrauch macht die Sache nicht besser, so wirken Songs, die Hoffnung und Wärme vermitteln sollen aufgesetzt, wie von einem Androiden vorgetragen, dem ein Emotionschip in einer frühen Alpha-Version implantiert wurde. Auch hier wird jede Möglichkeit zur innerlichen Kontrastierung, z.B. durch wirklich starke Verfremdung der Stimme, ausgelassen. So bleibt nur flach bemusizierte, einfältige Prä-Kindergartenpoesie über Regenbögen und Schmetterlinge ohne Moll, Spannung, Raffinesse oder emotionale Nähe, ohne Kanten an denen man sich reiben und länger als eine Sekunde hängen bleiben könnte.

Label: Universal Republic

Referenzen: The Postal Service,  Never Shout Never, B. Fleischmann, Lali Puna, The Magnetic Fields

Links: Homepage, Label

VÖ: 19.02.10

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