
Was lange währt, wird endlich gut! Ganze drei Anläufe brauchten TV On The Radio schlussendlich, um den letztjährigen auftouren-Redaktions Liebling „Dear Science,“ in Köln endlich auch live zum Besten zu geben. Dabei waren sowohl das Konzert im November vergangenen Jahres als auch im März dieses Jahres in der Kulturkirche vorgesehen. Für den Location-Wechsel in die Live Music Hall hätte man den zahlenden Besuchern aber eigentlich ein paar Euro zurückgeben dürfen; so zumindest die zugegebenermaßen etwas voreingenommene, aber doch allseits verbreitete Meinung im Innenhof vor dem Eingang. Dabei, das sei an dieser Stelle schon einmal angemerkt, sollten sich Unmutsäußerungen dieser Art bei vielen der Beteiligten – also mindestens der kompletten vorderen Hälfte der Halle – auf die Pre- und nicht die Postphase des Konzerts beschränken.
Unter angemessenem, aber nicht übertriebenem Beifall betritt die Band zu sechst und inklusive Saxophon-Attraktion Martin Perna, der sich vor dem etwas mehr im Hintergrund agierenden Dave Sitek in der ersten Reihe gleich neben dem sagenhaften Gesangs-Duo Tunde Adebimpe und Kyp Malone sichtlich wohlfühlt, die Bühne. Insbesondere letzterer ist ein direkter Blickfang: Mit stoischem Blick, für die vorherrschende Schwüle ungewöhnlich dick eingepackt und zudem ausgestattet mit dem, was man wohl Bart nennen darf, stimmt er in aller Seelenruhe seine Gitarre und genießt stillschweigend die interessierten Blicke; natürlich ohne sich das auch nur im Ansatz anmerken zu lassen.
Tunde Adebimpe ist jetzt nicht mehr zu halten, rennt und hüpft wild gestikulierend über die Bühne. An dieser Stelle entlädt sich erstmals die gesamte aufgestaute Energie, die Halle schwitzt. Selbst für Kyp Malone ist nun die Zeit gekommen, zumindest die Jacke auszuziehen. Erfreulicherweise verzichten die Herren darauf, das Tempo im weiteren Verlauf aus dem Spiel zu nehmen, animieren die Zuschauer vielmehr zum Klatschen und spielen sich dabei voller Freude durch die Großtaten ihrer Diskographie. Der Groove in „Red Dress“, die Magie in „Young Liars“, der persönliche „Cookie Mountain“-Liebling „Blues From Down There“, der Break in „Shout Me Out“; der Band gelingt es jederzeit, im Vergleich zur Studioversion nochmals ordentlich draufzusatteln. Das mag zum einen sicherlich an dem unverkennbaren stimmlichen Wechselspiel seiner beiden Protagonisten liegen und erreicht nicht zuletzt durch den bestens aufgelegten Martin Perna am Saxophon einen deutlich voluminöseren und ekstatischeren Sound.
Setlist:
Love Dog
The Wrong Way
Halfway Home
Golden Age
Crying
Wolf Like Me
Red Dress
Young Liars
Blues From Down There
Shout Me Out
Dancing Choose
DLZ
Family Tree
A Method
Staring At The Sun