
Zerfahrener als ein Eichhörnchen, das auf der A3 unter die Räder kam und in seinen letzten Sekunden aus authentischer Ich-Perspektive berichtet, eröffnet „Almadel“ den Wahnsinn; Pattons Stimme überschlägt sich förmlich zwischen Kreischen, Grunzen und Stöhnen. Daneben steht gleichberechtigt Zorns Saxophon, die beiden treiben sich gegenseitig an bis zum völligen Zusammenbruch. Das Gesamtbild der Musik wirkt trotz des Improvisationscharakters immer strukturiert und verschleppt sich nicht in endlos wiederholende Passagen, sondern schlägt an jeder möglichen Stelle einen Haken, dem problemlos gefolgt werden kann. Dabei entsteht zwischen der Musik und dem Hörer eine wunderbare Spannung, die sich immer wieder löst und neu aufbaut.
Wirklich herausstechend aus dem musikalischen Nährboden ist nur „9×9“, das durch den Gastauftritt Ribots mit dem Hardrock anbändelt, da das erste Mal die Gitarre gleichberechtigt neben Stimme und Saxophon tritt, allerdings am Ende doch wieder in das gemeinsame Ziel einläuft, das alle Stücke verfolgen: den totalen Kollaps. Es gibt keine Schwierigkeiten der Musik an irgendeiner Stelle zu folgen, sie entgleitet einem nie vollkommen, doch bleibt das thematische Konzept, an dem sich die Platte vielleicht versucht, unklar. „The Cruicible“ könnte auf ein gleichnamiges Drama von Arthur Miller hindeuten oder auf eine Romantrilogie von Sara Douglass. Daneben finden sich im Booklet vier Zitate von Nietzsche, Pessoa, Crowley und Artaud; und was es mit den „incantations“ [frei übersetzt Zaubersprüche] aus dem Necronomicon auf sich hat, die scheinbar einen Kern der „Texte“ ausmachen, darf ebenfalls frei assoziiert werden. Alleine durch diese vielen Querverweise wird deutlich, in wieviele unterschiedliche Richtungen diese Platte zu lenken vermag. Definitv bewusstseinserweiternd und eine der interessantesten Veröffentlichungen des Jahres.
Label: Tzadik/ SunnyMoon
Referenzen: Painkiller, Fantomas, Naked City
VÖ: 30.01.2009