
Knapp zwei Jahre später steht mit „200 Million Thousand“ nun die nächste Platte auf dem Programm. Die Frage nach dem „What comes next?“ wird binnen Sekunden geklärt. Ein von Bongos angetrieben lässig hingerotztes „Take My Heart“ eröffnet den scheinbar in irgendwelchen Bahnhofsunterführungen aufgenommenen Longplayer, auch das darauf folgende „Drugs“ lässt alle Lo-Fi Herzen höher schlagen. Schnell kristallisiert sich heraus: Der authentische 60s-Garage-Flow zieht sich vergnügt durch das ganze Album; das dichte Gefüge und Zusammenwirken aller 14 Songs erinnert an ihr Meisterwerk „Let It Bloom“, es darf also aufgeatmet werden. Strategisch ausgefuchst richten sie sich mit „Let It Grow“, „Elijah“ oder „Body Combat“ dabei fast schon entschuldigend an die frühen Fans, werfen aber auch den Liebhabern von „Good Bad Not Evil“ mit dem singletauglichen Vorab-Song „Starting Over“ oder dem heimlichen Hit der Platte, „Again And Again“, hin und wieder einen magenfreundlichen Leckerbissen vor die Füße, ohne sich dabei allerdings zu sehr anzubiedern. Selbst die eigentliche Singleauskopplung „Short Fuse“ lässt sich einige Durchgänge Zeit, bis es einen dann schlussendlich doch in den Bann zieht. Jaja, die Angst, zu offensichtlich die Gunst der Hörer gewinnen zu wollen, hat ihre Spuren hinterlassen. So besinnen sich die Black Lips lieber auf alte Tugenden, suhlen sich mit aller Hingabe gewohnt abgeklärt im Dreck und ziehen mit „200 Million Thousand“ einen wahrlich dicken Brocken aus der Gosse.
Label: PIAS (Rough Trade)
Spieldauer: 51:47
Referenzen: The Strange Boys, Jay Reatard, MC5, The Stooges, Cheap Time, The Dirtbombs
VÖ: 13.03.2009