
Dabei erweitern sie die noch auf „Dreams“ gültigen selbstauferlegten Vorgaben, zwecks bestmöglicher Liveumsetzung lediglich analoge Instrumente zu nutzen, zunächst einmal um einige Synthie- und Keyboardmomente und weichen so ihre „Regeln“ etwas auf. Mit vollem Erfolg, denn wo der Vorgänger teilweise noch nach der perfekten Begleitung für entspannte Sonntagnachmittage oder beim Abwaschen klang, kommt die Band ihrer auf Konzerten versprühten Liveenergie hier wesentlich näher. „Rules“ ist mehr Disco, mehr House als noch zuvor. Songs wie „Courage“ oder das überragende „Island“ ziehen einen ganz unweigerlich in ihren groovenden Sog und machen deutlich, dass sich auch The Whitest Boy Alive ganz dem in diesem seltsamen Retro-Jahrzehnt vielleicht schon allzu oft formulierten Ziel der Verschmelzung von Indierock und Dancefloor verpflichten. Dabei ergehen sie jedoch nicht in den üblichen Dummheiten und Plattitüden deines x-beliebigen Dancepunk-Electroclash-Acts von nebenan. 8Bit-Beats und effekthascherisches Rumgeplärre müssen hier erwartungsgemäß zusammen mit der Neonsonnenbrille beim Türsteher abgegeben werden, denn diese Jungs sind vor allem auch Auskenner und Soundtüftler, deren Wissen und Soundbewusstsein auf ganzer Linie zu beeindrucken weiß. Alles an diesem Album scheint klar und meist schnörkellos. Nur eventuell an den richtigen Stellen ornamental verziert, hält sich das Klangbild strikt an seine minimalistischen Vorgaben, was die Band im heutigen Popkontext so gediegen und einzigartig erscheinen lässt. Und über all dem thront ganz entspannt die seit den Kings Of Convenience so unverzichtbar gewordene Stimme Erlend Øyes, die trotz des eindeutigen Mehrs an Tanzbarkeit dafür sorgt, dass „Rules“ sogar auch noch beim Abwaschen eine mehr als wunderbare Figur macht.
Label: Bubbles / Groove Attack
Referenzen: Hot Chip, Hercules & Love Affair, Phoenix, Steely Dan, The Sea And Cake
VÖ: 27.02.2009