
Die Platte macht von Beginn an klar, woher der Wind weht. Der Opener „Satellites“ beginnt mit dem schon von No Age so vertrauten Noise-Knarzen, das auch den Solosachen von Dan Friel durchaus nicht fern ist, mündet dann nach knapp 50 Sekunden in den sich langsam anbahnenden Flow des Songs, um – von intensivem Drumming angetrieben – in den verbleibenden sechs Minuten linear so sehr an Fahrt aufzunehmen, dass es sich zu einer der ganz großen Hymnen des Jahres entwickelt, die sich kurzfristig von einem Geräusch-Hagel geschlagen geben muss, ehe in leicht veränderter Form und anderem Titel (Nowheres High) zum nächsten großen Schlag ausgeholt wird. Spätestens jetzt wird klar, dass von einem zusammenhängenden Werk gesprochen werden muss, dessen Songs zu jeder Zeit gekonnt ineinander fließen.
Parts & Labor haben für sich die Schnittstelle aus Avantgarde und Pop gefunden und sind der Beweis dafür, dass hohe Komplexität und eingängige Refrains sich nicht per se zuwider sind, sondern durchaus gleichberechtigt und respektvoll nebeneinander ihren Weg gehen können. Dabei verzeiht man der inzwischen vierköpfigen Band aus Brooklyn auch gerne, dass sie mit „Satellites“, „Nowheres High“ und „Little Ones“ die augenscheinlichsten Hits auf der ersten Hälfte der Platte platziert, um später leicht an Qualität und Begeisterung einzubüßen und somit das anfangs hohe Maß an Qualität nicht über die volle Distanz halten zu können. Vor allem, wenn in Dan Friel´scher Manier ausgiebig gequietscht und gefrickelt werden kann, ohne dabei jemals vom rechten Weg abzukommen: We will make our escape so silently / No we´ll never touch the ground / Our lungs will slowly speak the slightest sound / Outside the sirens will sing and alarms they will wail (…) It´s such a beautiful wedding in a wasteland“ heißt es in „Wedding In A Wastland“, während wir mit einer erschreckenden Gewissheit erkennen, unsere Party längst völlig abgekapselt von der restlichen Umgebung zu feiern.
Label: Jagjaguwar / Cargo
Spieldauer: 41:40
Referenzen: Dan Friel, No Age, Deerhunter, Jay Reatard, Times New Viking
VÖ: 24.10.2008