Tove LoQueen Of The Clouds
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Label:
Island
VÖ:
23.01.2015
Referenzen:
Robyn, Icona Pop, Ellie Goulding, Lykke Li, Girls Aloud, Ke$ha
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Autor: |
| Uli Eulenbruch |
„The passion, in the beginning, it’s always gonna be the best part of it.
And then you freak out, cause suddenly you need this person.
And then there isn’t a good way to end things – cause it’s ending, you know?“
Eine Beziehung im Schnelldurchlauf. Grob unterteilt die Schwedin Tove Lo diese in drei Abschnitte: „The Sex“, „The Love“, The Pain“. Jeder davon bildet ein Drittel ihres Pop-Debütalbums, jeden leitet sie mit einem der obigen Sätze ein. Überhaupt haben ihre Songs manchmal etwas Geständnishaftes, wenngleich mit cleveren Wendungen. So gesteht sie „People make me wonder/ age is just a number/ that they don’t think about./ That’s all I think about“, lässt dann auf die erste Refrainhälfte „I like em young“ im gleichnamigen Song aber „young like me“ folgen. „Moments“ liefert besonders gelungen als Selbstporträt „I can get a little drunk/ I get into all the Don’ts/ But on good days I am charming as fuck“ – erst scheint sie sich für unflätiges Verhalten zu entschuldigen, nur um ihre Vorzüge ausgerechnet mit einem Wort zu punktuieren, das es niemals unzensiert ins amerikanische Musikradio schaffen wird.
In der Tat geben Lebenslust und Hedonismus insbesondere zu Beginn den Ton an. Unter Volldampf prescht „My Gun“ mit synkopierenden Gitarrensaiten-Zupfern und Händeklatschern los, die sich zum Refrain hin unter „Uuh“s in Sechzehntel-Claps verdichten, während der Beat Grime-mäßig um Pistolenschuss- und Nachlade-Samples akzentuiert wird. Kurz schraubt „Talking Body“ das Tempo etwas runter, legt den Fokus auf ein einziges langes Durchs-Bed-Wälzen mit klaren Prioritäten („If you love me right/ we fuck for life“ und „Our baby making bodies/ we just use them for fun“), um dann mit dem pianodurchzogenen Stampfer „Timebomb“ in den höchsten Gang zu schalten. Wie hier mit dem aufgeregten Versuch, möglichst viele Silben über die paar Anschläge zu quetschen, macht Tove Lo den Spannungsaufbau hin zu ihren Refrains oft zur geheimen Hauptattraktion der Songs.
Eine Ausnahme bildet da „Not On Drugs“, das von der ersten Sekunde an nur darauf wartet, geradezu in das große, euphorisch überjauchzte Keyboard-und-Gitarrenbrett springt – und das, obwohl zwischendrin der Albumtitel versteckt liegt. Der Hochgemut, mit der die „Queen of the clouds“ hier erfüllt ist, wendet sich im letzten Albumteil aber: Statt des losgelösten „Baby don’t you see/ I’m not on drugs/ I’m just in love“ scheint es ihr in „Habits (Stay High)“ unmöglich, ihre von Natur aus tiefe Stimme ohne Zittern und Flattern zu erheben. Doch der Song ist mehr als ausgestellte Trauer, geradezu selbstzerstörerisch soll für das Herzensleiden nach der Trennung auch der Körper büßen („binge on all my twinkies/ throw up in the tub then I go to sleep“), Gedanken werden mit Drogen aufgeweicht („High all the time/ to get you off my mind“), Sex mit Fremden gesucht („Make it fast and greasy/ I’m numb and way too easy“).
Es ist nicht alltäglich, ein Popalbum derart in einer Spirale nach unten eskalieren zu sehen. Tove Lo gelingt die lose Erzählung nicht nur bemerkenswert gut, der Fokus bleibt dabei klar auf den Songs gerichtet. Einzig das Ende gerät etwas fade, erst durch das sowohl thematisch als auch kompositorisch ziellose „Thousand Miles“, dann das vergleichsweise plumpe Stück House-Pop zum Finale. Dessen Beatroutine, zu der Tove Lo merkwürdigerweise auch nur als „featured“ Vokalistin aufgeführt ist, will keine rechte Verbindung zum Text herstellen, der allmählich wieder die Zeichen auf Anfang setzt: „I always go back to you“.


