The DrinkCompany
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Label:
Melodic
VÖ:
12.12.2014
Referenzen:
Electrelane, Television, Veronica Falls, Deerhoof, Paul Simon, Warpaint
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Autor: |
| Uli Eulenbruch |
Na da hat der Dezember doch kurz vor Schluss noch eine der feinsten UK-Indierockplatten des Jahres rausgerückt. Voller exzentrischer Melodien in wendungsfreudiger Spieldynamik zeigen The Drink, warum schon der Traditionsplattenladen Rough Trade den ungewöhnlichen Schritt machte, die ersten handgemachten EPs des Londoner Trios in sein Programm aufzunehmen, bevor es überhaupt ein Label hatte.
Große Hype-Artikel, wie sie sich die britische Musikpresse aus dem Ärmel schütteln kann wie ein Profi-Pokerschummler die gezinkten Karten, braucht man aber über die Band um Dearbhla Minogue so schnell nicht zu erwarten, abseits retro-, stil- oder soundtechnischer Trendfixierungen ist die Irin mehr auf das komplexe Eigenleben ihrer Songs konzentriert. Besonders in den Strophen erzeugt sie gerne ein Spannungsfeld aus ungeduldig rhythmisiertem Spiel und ihrem meistens gedoppelten Gesang, mit dem sie einzelne Silben oft über Takte hinweg auslädt und sich wenig um das strenge Einhalten von Anschlagszeiten schert. In „Bantamweight“ verstärkt sie das stellenweise sogar noch durch denkbar lässiges Gitarrenzupfen, umso effektiver verdichten sich daraufhin wie auch anderswo die sonoren Refrains, ob indiepoppig leicht wie in „Desert“ oder keilscharf beharrlich wie in „Beasts Are Sleeping“.
Auch über asymmetrisch lange Akkordfolgen und Synkopen wiegeln The Drink ihre Songs auf oder bringen sie an den Rand des Taumelns, ziehen aber rechtzeitig die Bremse und fokussieren sich auf Eingängigkeit, ehe man zum Mitkommen einen Taschenrechner braucht (oder gibt schon die erste hilfreiche Math-Rock-App?). Umgekehrt wird „Dead Ringers“ im Refrain melodisch richtig abgehoben – und das im wahrsten Sinne des Wortes -, wenn sich nach unscheinbar stimmungsvoller Eröffnung Gesang und Instrumente in Gipfelhöhen erschwingen und nur allmählich wieder dem Boden entgegenkraxeln, noch mehr als das Eröffnungsstück „Microsleep“ erweckt es die Stimmung eines ominös verwunschenen Waldes. Seelig belebt tänzelt im Gegensatz dazu „Playground,“ gänzlich realitätsgewandt ist „Demo Love“, dessen Refrain sich zunehmend vom Harmonischen in den Missklang zum finalen „You have made a fool of me too man times“ wendet.
Insbesondere wegen Minogues Akzent, aber auch über die gelegentlich aufziehende Atmosphäre und generelle Eigenheit ist „Company“ so typisch britisch wie Fünf-Uhr-Tee und „Curse Of The Demon“. Obwohl im für eine kaum ein Jahr alte Band bemerkenswert kohärenten Sound und Stil nicht sonderlich auffällt, dass die aus ihren drei EPs neu angeordneten Stücke höchst unterschiedlichen Aufnahmesessions entstammen, glänzt das Album weniger durch einen großen Spannungsbogen als über die Stärke seiner Einzelteile – doch eben hier, im filigran-melodisierten Song, liegt auch die Stärke von The Drink.


