You BeautyJersey Flegg

Großer Sport! Auf ihrem Konzeptalbum „Jersey Flegg“ erzählen You Beauty die hollywoodreife Geschichte eines talentierten Rugbyspielers, der allerdings an seinem verkorksten Privatleben scheitert und am Ende auf der Ersatzbank schmort. Dass die Geschichte trotz reichlich Tragik, Dramatik und Romantik nicht zur kitschigen Rockoper verkommt, liegt zum Einen an der gesunden Portion Humor in Will Farriers Texten und zum Anderen an dem angenehm unaufdringlichen und zurückhaltenden Indierock der Australier.

Obwohl You Beauty ohne Zweifel leidenschaftliche Rugbyfans sind und in jedem Song ihres Debütalbums mindestens eine Anspielung auf den australischen Nationalsport versteckt haben, kann man „Jersey Flegg“ auch genießen, ohne jemals eine einzige Partie Rugby verfolgt zu haben. Denn auch wenn hier oberflächlich betrachtet die Geschichte eines Sportlers erzählt wird, handeln die zehn Songs in Wahrheit von den kleinen und großen zwischenmenschlichen Dramen, um die sich Popmusik auch sonst meistens dreht.

Vor allem das komplizierte Verhältnis des Protagonisten zu seinem cholerischen und alkoholabhängigen Vater, von dem er zwar als Kind die Leidenschaft für Rugby geerbt hat, für den er heute aber nur noch eine Mischung aus Mitleid und Verachtung empfindet, steht dabei immer wieder im Vordergrund. „He was a mean bastard when a mood took on/ But in those good moments I wanted to be like him/ and play“, heißt es in „Scent Of My Youth“. Eine ähnlich große Rolle spielt die kurze Liebesbeziehung zu Ann-Maree, der TV-Moderatorin einer Kindersendung, in die sich der Protagonist unsterblich verliebt, die ihn aber bereits nach kurzer Zeit mit einem Puppenspieler betrügt. „Guess a pupeteer’s trained to have his hands up things/ Now her skirt“, beschreibt Will Farrier die Szene und zeigt hier sein Talent, den eigentlich tragischen Aspekten der Geschichte mit absurdem Humor die Schwere zu nehmen.

Die drei folgenden Songs beschäftigen sich mit dem Absturz des Protagonisten, der seine Trauer und seinen Frust im Alkohol ertränkt und sich auf diese Weise auch seine sportliche Karriere vermasselt. Erst die Begegnung mit der australischen Sportkommentatoren-Ikone Ray „Rabbits“ Warren bringt ihn zurück in die Spur, sodass er im abschließenden Song „Off The Bench“ zumindest wieder auf der Reservebank des Teams Platz nehmen darf: „Off the bench/ There’s no roar from crowd this time round/ But in my chest I’m exploding again.“

Wer bei einem solchen Konzeptalbum nun ausschweifende und komplexe Songzyklen erwartet, liegt komplett daneben. Keiner der zehn Songs auf „Jersey Flegg“ knackt die Drei-Minuten-Marke und überhaupt zeichnen sich die Arrangements von You Beauty durch sehr minimalistische, manchmal beinahe strenge Arrangements aus, die häufig an den Gitarrenpop der 80er-Jahre erinnern. Auch die Texte von Will Farrier benötigen nur wenige pointierte Worte, um die Geschichte zu erzählen. Noch kompakter und prägnanter fasst höchstens das Albumcover die Handlung zusammen, das mit Rugbytrikot und Trophäe, leeren Bierdosen neben und dem Plakat von Ann-Maree über dem Bett bereits die wichtigsten Aspekte von „Jersey Flegg“ vorweg nimmt.

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