Blank RealmGrassed Inn

Die einfachen Dinge zu tun ist manchmal das Schwierigste. Immer wenn eine Band eine neue Platte herausgibt, gibt es bei größerer Veränderung des Stils jene Fans, die den alten Zeiten hinterhertrauern, oder aber – wenn sich die Musiker entscheiden, die Veränderung überschaubar zu halten – jene, die meckern, weil derselbe Mist wie immer gemacht wurde.

Blank Realm haben ihren eigenen Stil gefunden und bleiben ihm treu. Sie klingen auf fast ein wenig verstörende Weise alt, wie es nicht wenige der aktuellen Lo-Fi-Bands tun – Guided By Voices vielleicht mal ausgenommen. Die Musiker aus Brisbane würfeln mit Steinen und Diamanten zugleich. Manches ist so roh, dass man das Gefühl bekommt, es hätte nur einen Take gegeben, um das Ding in den Kasten zu packen. „Falling Down The Stairs“ wiederum ist auf beste Weise ein Hit, mit eingängiger Melodie und Kopfschüttelattitüde. Man muss schmunzeln, so leichtfüßig und eingängig beschäftigen sich Gesang und Keyboards mit der Frage, wer wohl heute die Treppen hinunterfallen wird. Die Leichtigkeit eines australischen Sommers scheint eingefangen.

Unbekümmert und rotzig geht es auch mit „Bell Tower“ weiter, wenn auch in weit schleppenderem Tempo. Steelguitar und von der Sonne gebleichte Haare. Salz auf der Haut und die Trägheit des Moments. Blank Realm kommen manchmal fast zu lässig daher, dann aber sind da wieder die epischen, fast neunminütigen Spielfreudemomente wie „Bulldozer Love“, die auf beste Weise eingängig sind, die sich langsam aufbauen und in die Ferne schweifen lassen. Einem Schlaflied gleich – Sehnsuchtsorte sind immer dabei, wenn die Australier ihre Songs gestalten. Nie schwarzweiß, sondern immer farbenfroh. Aber auch ein wenig irre. Dennoch wirkt „Grassed Inn“ fokussierter als sein Vorgänger.

Das Quartett scheint auf seinem neuen Werk Konsumierbarkeit nicht mehr mit mangelnder Qualität gleichzusetzen. War zuletzt „Go Easy“ noch stellenweise abstrakt und ansatzweise strukturiertes Chaos, so ist „Grassed Inn“ auch durch Songs wie „Even The Score“ herrlich fröhlich, fassbar und fast ein wenig (durch das gummiballartige Gehopse der Synthies) albern. Australier nehmen sich selten zu ernst, da gleicht das Quartett seinen Landsleuten, das mit viel Energie und Enthusiasmus vorgeht. Für andere mag es kaum vorstellbar sein, dass ein solcher Schaffensprozess unter Geschwistern möglich ist, aber natürlich zeigt die weite Welt der Musik, dass Daniel, Luke und Sarah Spencer nicht alleine sind – auch wenn mir auf Anhieb nur die Kelly Family einfällt, die mit mehr als nur zwei Geschwistern Musik machte.

Steuert man durchs Internet, so ist von frenetisch gefeierten Liveauftritten die Rede – sehr gut vorstellbar, wenn man „Grassed Inn“ mehrfach hört. Kunst kann und darf eben auch tanzbar sein.

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