White Denim zählen seit Jahren zu der Sorte von Bands, wie man sie sich als Musikliebhaber nicht besser wünschen könnte. Die Alben versprühen seit jeher die ungebündelte Kraft eines Liveauftritts, die Breite der Genres, die mindestens die Ausmaße der Vereinigten Staaten hat, funktioniert dank großen Talents an den Instrumenten reibungslos und nicht zuletzt macht das Quartett aus Austin einen einnehmend sympathischen Eindruck. Auch Jeff Tweedy wurde schnell auf die Band aufmerksam, im letzten Jahr folgten eine Tour als Vorgruppe von Wilco sowie gemeinsame Aufnahmen, von denen zwei auf „Corsicana Lemonade“ Platz fanden.

Die Zusammenarbeit mit Tweedy hat über die beiden Songs hinaus hörbar Spuren hinterlassen. Der Eröffnungssong „At Night In Dreams“ stolpert immer noch so explosionsartig und orientierunglos durch die Tür, dass er auch gut Platz auf dem Vorgänger „D“ gefunden hätte. Der Rest spiegelt eine deutlich kanalisierte Herangehensweise wider. Am spürbarsten hierfür steht die von Tweedy produzierte Vorabsingle „Pretty Green“. Das Zucken und Zerren der Vergangenheit ist gewichen, straighte Gitarren- und Gesangslinien sind zum Vorschein gekommen. Gerade die Stimme James Petrallis ist so klar herausgearbeitet wie selten zuvor, was ihrer Einzigartigkeit aber nichts anhaben kann. Der Rest des Albums spielt dann die Klaviatur zwischen den Extremen des krachenden Eröffnungstücks und des handfesten „Pretty Green“. „Corsicana Lemonade“ ist so gesehen ein klarer Schritt weg von der allgegenwärtigen, vibrierenden Atmosphäre der früheren Alben.

Wenn James Petralli das fünfte Album seiner Band als „barbecue record“ beschreibt, kommt das dem Ergebnis sehr nahe. Anstatt viele wirkungsvolle Nadelstiche zu setzen, befinden sich White Denim hier in gleichmäßigeren Gewässern. Auf die zum Ausrasten animierenden Ausbrüche verzichten sie nach wie vor nicht („Come Back“), doch wurden diese zugunsten der spätsommerlichen Atmosphäre einer Grillparty in den Südstaaten aufs Nötigste reduziert. Negativ wirkt sich das gleichwohl nicht aus, denn der Biss ist nach wie vor da, nur eben in andere Bahnen gelenkt. Wäre das Album doppelt so lang und der Name nicht schon vergeben, müsste es wahrscheinlich „Southern Rock Opera“ heißen. Was auch sofort wieder die große Stärke des Albums verdeutlicht: Der Band ist es gelungen, auf nur knapp 40 Minuten ohne erkennbare Brüche sowohl die heimelige Stimmung des Südens als auch immer wieder die Eruptionen einer sich ständig änderenden Welt zu reflektieren.

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