Factory FloorFactory Floor

„One“, „Two“, „Three“ – drei Stücke, in denen sich der Vorwärtsdrang von Factory Floor kurzzeitig ebenso auflöst wie die musikalische Einheit selbst. Um diese Solokompositionen herum agiert das Londoner Trio mit der geschlossenen Sturheit eines Individuums und der Flexibilität einer intuitiv aufeinander abgestimmten Gruppe. Sein gleichnamiges Debütalbum ist eine der ungewöhnlichsten Dance-Kreationen des Jahres geworden.

Es könnte fast ein Jubiläum sein: Ziemlich genau zehn Jahre, nachdem The Rapture, Pixeltan oder Black Dice aus dem noisigen New Yorker Untergrund auf die damals noch stark verdreckte Tanzfläche des DFA-Labels glitten, könnten sich Factory Floor nahtlos wie keine andere heutige DFA-Band auf eine dessen damaliger Compilations einfügen. „Two Different Ways“ erinnert in seiner Acidsteigerung an die „Crass“-Version von LCD Soundsystems „Yeah“, die beiden letzten Albumstücke an frühe robotische Tracks von The Juan MacLean, vor allem aber besitzt Factory Floors Musik auf tieferer Ebene eine ähnlich hypnotische Repetitionsqualität wie Pixeltans „Get Up/Say What“.

Ohne auszusetzen loopt ein aufwärts gerichtetes Synth-Arpeggio acht Minuten lang durch „Here Again“, doch nicht nur über die Hi-Hat-Anspannungen von Gabe Gurnseys Schlagzeugantrieb, Nik Voids spärliche No-Wave-Vocal-Häufungen oder die von ihr und Dominic Butler generierten Rausch- und Fiepklänge strahlt es eine unwiderstehliche Sogwirkung aus. Anstatt den Sechstonloop zu einer unveränderlichen Basis zu machen, modulieren Factory Floor ihn konstant, ändern Anschlaglänge und Hall, Lautstärke, Bass- und Höhenklang, lassen ihn in Entspannungsperioden metallisch schmal klingen und erwirken über dickere Töne eine verdichtende Intensivierung dieses und anderer Stücke. Was auf diesem Album zu hören ist, mag im Studio aus erheblich längeren und bei jedem Zusammenspiel live anders ausformulierten Teilimprovisationen herausgearbeitet worden sein, doch Factory Floors beste Stücke bewahren sich im Detail diese Unvorhersehbarkeit und sind insgesamt auf einem sturen, sicheren Vorwärtskurs.

Das Trio hat sich – zumindest, was seine Aufnahmen angeht – von der Industrialkante seiner frühen Stücke zu einem runderen, klareren Sound bewegt. Meist kommt ihm das zugute, wenn acidig-noisige Verzerrung als konzentriertes Einzelelement neben allen anderen präzise utilisiert werden kann, ohne in einem Grundrauschen wie ein Nebeneffekt zu wirken. Zudem halten Tracks wie „Fall Back“ und „How You Say“ die Dynamik einer Liveband auch bei einer moderaten Lautstärke intakt, die meilenweit unter dem Sturm liegt, den Factory Floor live entfachen. Lediglich in den atmosphärischeren letzten Stücken des Albums fehlt der zündende Funke, sie wirken zugleich übermäßig steif und – eine Seltenheit für diese Gruppe – auch in ihren Nuancen ziellos.

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