Ja, der Mann lebt noch. In Paris. Der Drogen wegen und wegen der berüchtigten britischen Yellow Press, heißt es und er sieht beschissen aus, wenn man den Schilderungen und Interviews überall (Spex, Musikexpress) glauben darf. Das soll uns aber alles gar nicht interessieren, den Klatsch sollen mal die einschlägigen Promiblätter schreiben. „Sequel To The Prequel“ ist natürlich ein feines Wortspiel und Wortspiele ziehen sich ja auch nicht erst seit gestern durch Doherty-Songs, aber auch das soll nur am Rande interessieren. Uns soll es um die Musik gehen.

Einen Allzeit-Gassenhauer – „Fuck Forever“ – hat uns die Band um den Mann, auf den sie oft reduziert wird, 2005 beschert, die Veröffentlichung von „Shotter’s Nation“, dem letzten Bandalbum, liegt bereits sieben Jahre zurück und Peter Dohertys Soloalbum auch schon vier. Wir haben es hier folglich, nach dem Gesetz der Musikindustrie und des Marktes, mit einem waschechten Comeback zu tun.

Was also tun, wenn eigentlich kaum jemand mehr etwas von dir erwartet? Wenn man auch einfach nur lukrative Großfestivals bespielen muss, damit genug Geld reinkommt? Man trifft sich mit den Bandkollegen im Studio, lässt sich dort einsperren und musiziert locker, scheinbar drucklos und spielfreudig, drauflos. Und so kommt es, dass tatsächlich schon „Sequel To The Prequel“s Eröffnungssong „Fireman“ einen Pete Doherty präsentiert, der uns bester Laune den Johnny Rotten gibt, während die Band eine Minute zweiundvierzig lang munter drauflos poltert. Bravo! Diese Eröffnung muss als gelungen bezeichnet werden und auch im Folgenden erweisen sich Babyshambles auf der Höhe ihrer Kunst.

Dass einem dabei beim Hören gelegentliche Déjà-vus wie Flashbacks verbotener Substanzen durch den Kopf taumeln, liegt auch an Dohertys Recyclingtalent – gerade so viel sich selbst kopieren, ohne dass es ein plumpes Plagiat oder eine einfache Version 1.2 wird. Dabei schütteln Babyshambles ein berauschendes Potpourri an Songs aus dem Ärmel, das sich um Genregrenzen oder eventuelle Peinlichkeiten einen Dreck kümmert. Auch hier könnte man sagen: typisch Babyshambles halt, Experimente mit Reggae („Dr. No“), Swing und so weiter gab’s immer. Das stimmt zwar, aber bei den Shambles klingt das nie aufgesetzt und selbst die abwegigste Revuenummer würde der Band noch durchgehen. Doherty und seine Kollegen sind sich einfach ihrer öffentlichen Persona viel zu gewiss und so kokettiert man offensiv mit den eigenen Klischees („Picture Me In A Hospital“) und spielt einfach Songs, für die Liam Gallagher und einige andere vermutlich ihre unsterbliche Seele an den Teufel oder Facebook verkaufen würden.

Einen Kommentar hinterlassen

Platten kaufen Links Impressum