Nicht nur wirkt das Cover-Artwork von „Joke In The Hole“ insgesamt abstrus-albern, es unterscheidet sich schon allein durch die Farbwahl sehr von seinen Vorgängern. Diese machten eher durch dezentes Schwarz-Weiß auf sich aufmerksam, waren jedoch nicht weniger eigenwillig. Diesmal also in Farbe – damit dieses Produkt pubertärer Kreativität in Collagen-Ästhetik, welches gut in die 70er-Jahre passen würde, nichts von der Wirkung einbüßt.

Bevor man sich nun dem Werk von Black-Dice-Sänger Eric Copeland hingibt, sollte noch einmal tief eingeatmet werden, denn viel Gelegenheiten zum Durchatmen bleiben auf „Joke In The Hole“ nicht. Man darf es sich wie einen Vergnügungspark vorstellen, beim dem man von einer Attraktion zur nächsten getrieben wird, ohne eigentlich zu wissen, was um einen herum genau geschieht. Mit dem eröffnenden „Rokzi“ wird zunächst eine Vorstellung davon erweckt, was uns hier erwartet – Beats schlagen knisternd, Aufnahmen wahrscheinlich überdehnter VHS-Bänder werden geloopt, etwas Synth verstreut und ein aufdringliches Leiern eingeführt, das uns noch öfter begegnen soll. Besonders zum Ende hin findet der Song seinen Flow und verführt mit schleppenden Beats, geloopten HipHop-Vocals und kratzendem, rudimentärem Reggae-Rhythmus zum Kopfwippen.

Die Stimmung soll natürlich nicht kippen, also liefert „Grapes“ eine Melodie, die als Anheizer für den Dancefloor Wirkung zeigen dürfte. Im Mittelteil wird kurz Luft geholt, um den „Yeah Yeah“-Vocals Raum zu lassen und die Loop-Maschinerie Copelands darf zeigen, wozu sie im Stande ist.

Mit der Zeit stellt sich eine gewisse Trance ein und eine Assoziation zu Drogen scheint berechtigt: Auf leiernden Soundscapes flackern Synthies auf und ab, unverständliche Stimmen werden lauter und verhallen wieder. Nur das Keyboard klimpert fröhlich und verleiht der Atmosphäre noch etwas Vertrautes („Flushing Meats“). Nachdem Zeit und Raum sich auszudehnen und zu wabern begonnen haben, ist ein Thema dennoch in jedem Song zu erkennen: das Leiern. Es wirkt hypnotisierend, es entwickelt eine eigene Magie, welche den Hörer langsam einzunehmen scheint.

„Babes In The Woods“ entführt uns auf ein Kettenkarussell, welches nie aufhören möchte sich zu drehen, sich in gewissen Phasen selbst überholt, verheddert und einen Strom erzeugt, der mitreißt, um darauf zur nächsten Atrraktion geworfen zu werden. Wie er das macht? Ein mäanderndes Leiern, ein paar Synthies drübergesprengt und fertig ist ein Karussell, aus dem man gerne ausbrechen würde. Doch die Stimmung wird so lange ausgereizt, dass es fast schon klaustrophobisch wird. Wir finden uns wieder im Spiegelkabinett namens „Bobby Strong“, in welchem funkige Vocals und spulende Synthies von allen Seiten zu kommen scheinen und einen Groove entstehen lassen, der an afrikanische Rhythmen erinnnert.

Eric Copeland will sich in keine Schublade stecken lassen. Er experimentiert und übertreibt es damit in beide Richtungen. Entweder lässt er der Grundstimmung zu viel Raum, so dass der gesamte Track darin verharrt und mit eindringlicher Penetranz jegliche Luft nimmt oder er wagt zu viel und übersät das Stück mit Samples, Synthies und Tempo- und Klangvariationen, dass Anfang und Endekaum zu erkennen sind.

Irgendwo zwischen steriler, abstrakter, düsterer und quirliger Atmosphäre klingt „Joke In The Hole“ einfach nach Ambient-Meditations-Psychedelic-fühligem Good-Funk-Geleier mit wenigen Höhepunkten. Copelands Vorgehen ist mit Puzzeln vergleichbar, nur dass er willentlich falsche Teile reindrückt und sich vor allem mit den leichten einfarbigen Elementen aufhält, welche überall zu passen scheinen. Im Gegensatz zu seinen Vorgängerwerken hantiert Copeland vor allem mit Beats statt mit Genres, was ihm bedingt gelingen mag. Die angestrebte Ästhetik ist zu erahnen, nur fehlt der Mut, die Idee bis zum Ende durchzuziehen. Unterhaltsam sind leider nur die Songs mit HipHop-, Reggae- und Funk-Einflüssen. Ansonsten fehlen die genialischen Momente, wie man sie bei Black Dice manchmal erleben kann.

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