Patrick Kindlon gehört zu der Art von Sängern, die in Inhalt wie Form wenig Wert auf eine anmutige Ästhetik legen. „Everything went tits up and everything shit the bed!” röhrt er im Eröffnungsstück von „Paul Walker“, dem nicht minder unernst betitelten „Thinking About Joining Drug Church“. Kindlon besitzt jene Art von angeheiserter, doch kraftvoller Stimme, in der stets eine gewisse Unstabilität mitschwingt, als könnte sie in Krächzen oder einen hysterisch hohen Ton verrutschen, gänzlich die Fassung verlieren. Die ideale Stimme für eine Band wie Drug Church.

Auf seinem Debütalbum fährt das Quintett aus Albany die Gitarren im facettenreichen Posthardcore-Sound à la Quicksand lieber breit als übertrieben wuchtig aus, ein heller Oberton, radikaler Akkordsprung oder Breakdown ist auch in kürzeren Midtempo-Songs nie weit entfernt. Nicht zu poppig, nicht zu thrashig hält „Paul Walker“ den höchst vergnüglichen Mittelweg, an dessen Kanten sich viele noch stoßen dürften. Wenn die Riffs wie im „Shopping For A Belt“-Refrain durch Eingängigkeit mitreißen sollen, gelingt das der Band ebenso wie das anschließende Dynamikspiel mit länger und seltener werdenden Anschlägen bis hin zum abgehackten Bruch. „Donny’s Woods“ schwingt über knackigem Basslauf Gitarren- wie Schlagzeuganschläge im Hüpfrhythmus runter, bis es gen Ende in punkigen Kurzstreckenlauf umschwingt, den nur noch das Nachfolgestück in einem höheren Tempo weiterführt.

Songtitel wie „Attending A Cousin’s Birthday Party“, „Riding The Bus To Schnectady“ oder „Shopping For A Belt“ könnten kaum alltagsbanaler sein, dahinter jedoch verbirgt sich eine Ungemütlichkeit nach der anderen. So gleitet „Reading Youtube Comments“ sukzessiv dem physischen Zerfall entgegen: „I still walk with a cane / but I’m headed for wheelchair / entropy’s the natural state of things / Decline, decline“ – mit der absurden Implikation des Songtitels, was die Augen- und Hirnschäden am Anfang der Zerfallskette auslöste.

In Songs wie „Clifton Country“ ist eher die Moral der Protagonisten brüchig bis verfallen, was jedoch auch in Kindlons verächtlichstem Stimmfall nur mühevoll ernst zu nehmen ist, wenn es unter diesem Albumtitel rangiert. Eindeutig augenzwinkernd macht der Titel des hymnischen „Deconstructing Snapcase“ seinen Hommagestatus an die Nachbarn aus Buffalo klar, sonst würde es mit seinem kreisenden Riff und den extrahohen Vocals auch an ein Plagiat grenzen. Hintersinn ist aber höchstens eine Nebensächlichkeit auf „Paul Walker“, mit dem Drug Church vor allem ein hervorragendes Posthardcore-Album mit ätzender Fassade und (auch deswegen) hohem Unterhaltungswert gelungen ist.

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