AlunaGeorgeBody Music

Trotz der Vorschusslorbeeren, von der ersten Single auf Tri Angle Records bis zur Zweitplatzierung im „BBC Sound Of 2013“: Der einzige Top-Ten-Hit von AlunaGeorge im heimischen UK war bislang eine Kollaboration. Sollte Disclosures „White Noise (feat. AlunaGeorge)“ also den Anfang einer tieferen Erforschung der House- und Garage-Spuren in AlunaGeorges Musik bedeuten? Mitnichten, „Body Music“ behält den Kurs der Singles bei – mit abnehmendem Ertrag.

Modern ist der saubere Popentwurf von Aluna Francis und George Reid sicherlich: Ihr Midtempo animieren meist synkopiert verspringende Beats und blechern rollende, entweder direkt oder über den Witch-House-Umweg aus Trap-Rap-Produktionen entlehnte Snares. Synths blubbern, streichen, glimmern dazu in einem gesunden Mittelweg zwischen Chillwave und Dubstep der purpurnen Färbung, Vocals werden in real unmögliche Formen gepitcht und umgeschnitten. Vor einem Jahrzehnt wäre ein solcher Sound nur schwer vorstellbar, geschweige denn trotzdem durchaus charttauglich gewesen.

Nicht nur Sound, auch seine Anwendung gelingt AlunaGeorge einfallsreich: „You Know You Like It“ pointiert seinen unwiderstehlich treibenden Basslauf zum Taktende mit videospielbunten Bleeps und Spiralen, noch erfindungsreicher ist „Just A Touch“s Perkussionsmatrix aus Schellen-Claps, ausgehöhltem Bass, dezent überdachendem Knarzen und Kniepen und Steel-Drum-Flair im Refrain. „Lost & Found“ macht im 2-Step als einziger Song die Garage-Verbindung explizit, ist jedoch so farbenfroh soundgefüllt wie die maximalistischen Überdrehtheiten eines Hudson Mohawke oder Rustie.

Bei all der Hochaktivität benötigen diese Produktionen eine Stimme, die Halt geben – jedoch scheitert Francis des Öfteren daran, wenn ihre dünne Twee-Nasalität von Effekten untergebuttert wird. Auf „Diver“ ist sie deswegen kaum zu verstehen und ihre Vocals in „Kaleidoscope Lies“ zu zurückhaltend, bis sie im Refrain digital hochgeschraubt mithalten kann. „Your Drums, Your Love“ oder „Attracting Flies“ hingegen rücken Francis‘ Stimme ins beste Licht, die catchigen, drumherum mehr als Instrumentalelemente eingesetzten Stimmverfremdungen machen sie mit zu den besten Stücken des Albums.

In der zweiten Albumhälfte nimmt leider die Songwriting-Qualität merklich ab, mit dem platten „Superstar“, „Best Be Believing“ und dem uninspirierten „Friends To Lovers“ – vom gänzlich misslungenen „This Is How We Do It“-Cover als Finale ganz zu schweigen. Von der Souligkeit des eröffnenden „Outlines“, dessen Feingefühl in Gesang und Arrangement über alle textlichen Schwächen hinweghören lässt, ist bei aller Originalität in „Body Music“ zu wenig zu spüren.

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