DC Schneider: Unübliches im Gepardenfell

Spuk in der Küchenschublade! Oder doch in einer Schatulle? Oder nur die logische Konsequenz, wenn ein über Musik bloggender Mensch beginnt, diese selbst herauszubringen?

Das Klienicum dürfte eines der besten MP3-Blogs im deutschsprachigen Raum sein; nicht so ein Webzine wie wir (wobei das ja ebenfalls gut ist, wenn ich das einmal schreiben darf), sondern eine Seite zum emsigen Scrollen und Auffinden von Songs. Seit Kurzem veröffentlicht dessen Autor Eike Klien gemeinsam mit Hauke Schmidt als „Klienicum Schallplatten“ Musik. Die Compilation „happy and young and not depressed“ der beiden Schwestern Joana und Leonie Schneider alias DC Schneider macht den Anfang.

Bemerkenswert ist dabei neben deren 20 Stücken, zu denen wir gleich noch kommen werden, die Aufmachung. Es handelt sich nämlich um eine auf 77 Stück limitierte Kassette in einer feinen Gepardenfell-Hülle mit Button und Downloadcode. Der hohe Aufwand könnte die geringe Stückzahl rechtfertigen, muss er aber nicht.

Denn alles andere als eine solche Aufmachung wäre den obskuren Miniaturen des Duos nicht angemessen. Wer solche Songs veröffentlicht, muss es voller Liebe tun, anders wäre es nicht denkbar. Lo-Fi und reduzierte Arrangements sind das Eine, daran ist man mittlerweile gewöhnt, verstimmte Gitarren und versteckt gehaltene Melodien aber etwas gänzlich anderes. DC Schneiders Songs werfen, wir haben es an den einleitenden Sätzen bereits gesehen, einige Fragen auf. Eine solche könnte, und nun traben wir hoch, bitte nicht nach unten schauen, sein:

„Warum?“

Warum spielen Menschen Musik? Weil sie sich so ausdrücken können und wollen? Gut, nehmen wir das einmal an.

„Warum aber so wie DC Schneider?“

Weshalb sollte immer nur eine Ausdrucksweise gewählt werden, die ein von anderen etabliertes Niveau hält oder übertrifft? Das könnte bereits mit dem Stimmen der Instrumente beginnen, das schlichtweg weitestgehend üblich ist. Ob man möchte oder nicht, wer sich darauf einlässt, lässt Referenzen zu. Wer darauf verzichtet ebenfalls, nur sind sie schwerer auszumachen und mir ist es zuwider, einfach eine Suchmaschine zu benutzen und dann so zu tun, als hätte ich Ähnliches vorher schon gekannt. Das wäre keine Recherche, sondern Oberflächlichkeit, mit der ich mein Erstaunen angesichts der vorliegenden Seltsamkeit (auf „happy and young and not depressed“ ist die Gitarre selten gestimmt, andere ihrer Veröffentlichungen auf Bandcamp sind da harmonischer) keinesfalls relativieren möchte.

Jedenfalls: Obwohl sie also auch nur Attitüde sein kann, schafft die Abwendung von der offensichtlichen Harmonie ein größeres Maß an Unmittelbarkeit. Man hört nicht einfach die Variation einer Songform im Stil eines gewissen Genres, es gibt nur das jeweilige Stück. In ihm selbst, nicht im Verweis auf eine übliche Form von gesuchter oder vermiedener Schönheit liegt die Antwort auf unsere nächste Frage:

„Warum hört man sich so etwas an?“

Zu welchem Ende hören wir Musik? Weil sie bestimmte Situationen untermalt, Stimmungen hervorruft und verstärkt, uns unterhält und eine Gemeinschaft mit anderen zu schaffen vermag? Auf Pophörer (und auch Indierock/Indiepop ist ebenso wie Metal und HipHop stets Pop) trifft es zu, und doch ist diese Motivation nur eine Beschränkung, keine schlimme, sondern eine praktikable. Die einzige Antwort ist sie nicht. Es ist schon seltsam: Galerien und Kinos werden aufgesucht, obwohl es dort allerlei Krudes, Verstörendes, Beleidigendes und eben Unfunktionales zu sehen gibt, bei Musik wird das meist nicht geduldet, sie wird einfach ausgeschaltet. Wie lohnenswert aber allein schon das aufmerksame Hören ist, zeigt uns auf eine immer noch gefällige Weise die abseitige Musik DC Schneiders.

Ist sie traurig? Melancholisch könnte sie sein, aber gleichzeitig grausig. Oder aber albern, parodistisch, ausgelassen, da unbedarft oder zwanghaft, weil ohne jegliche Beschönigung in den Raum geworfen. Sie ist rücksichtlos, konfrontativ und überheblich ebenso wie naiv, ermutigend und bestärkend, denn kann so etwas nicht jeder?

Selbstverständlich muss man sich all das nicht fragen, sondern kann auch einfach nur hören, wie hier die Töne taumeln. Da wird sich sicher die eine oder andere Metapher finden lassen, auch Referenzen, gewiss, siehe oben. Das bloße Vorhandensein dieser Lieder reicht zumindest mir aus, ein existenzialistischer Gedanke, dem all die Schwurbelei in diesem Text hier wenig zweckdienlich sein dürfte. Das jedoch ist „happy and young and not depressed“ ebenfalls nicht, sondern vielmehr ein klein wenig Gegenwart, eine spröde Seltenheit, deren Veröffentlichung vielleicht vom Wissen eines Bloggers um das übermäßige Vorhandensein herkömmlicher Schönheit motiviert ist.

„happy and young and not depressed“ ist bereits erschienen und über KLIENICUM SCHALLPLATTEN erhältlich.

16 Kommentare zu “DC Schneider: Unübliches im Gepardenfell”

  1. Trash sagt:

    Immer dieses Nichtskönnen auf Teufel komm raus mit irgendeinem Schwachsinn rechtfertigen. Das fühlt sich an wie Exegese für Musik. Hauptsache irgendwas reininterpretieren. Ich finde es dramatisch, dass sowas überhaupt als Musik bezeichnet wird. Es gibt einem schönen Satz, den sich Leute, die gitarren nicht nicht stimmen, da sie es als pseudo künstlerisches stilmittel benutzen (was schon schlimm genug wäre), sondern weil sie schlicht und ergreifend keine Ahnung haben wie es funktioniert: Kunst fängt da an, wo das Handwerk endet.

  2. Trash sagt:

    * hinter die Ohren schreiben sollten

  3. Lennart sagt:

    Na, das ist schon ein bisschen schwer, nicht zu wissen, wie man eine Gitarre stimmt. Es nicht wissen wollen: okay. Es einfach nicht tun: okay. Aber es nicht wissen oder können? Das kann jeder, der über Hände, einen Internetzugang und eine Gitarre verfügt. Und ja, Kunst, Kunsthandwerk und Handwerk sind verschiedene Dinge, was nicht schlimm ist. Und Rechtfertigung ist hier nur, dass diese Musik gefällt, und das tatsächlich als andere.

    Und das der Text „Schwachsinn“ sei… darüber können wir nun wirklich nicht einer Meinung sein, dazu sage ich nichts weiter.

  4. Lennart sagt:

    Ah, und noch etwas: lass doch bitte solche nichtssagenden Phrasen wie „pseudo künstlerisches stilmittel“ weg und schreibe: „Sie haben keine Ahnung, ich schon. Und anstelle mich zu fragen, machen sie alles falsch. Wie dumm und überheblich sie doch sind.“
    Was denn „wahrhaftig“ künstlerisch ist und warum Dissonanz nicht als Stilmittel gelten kann, wirst Du wohl wissen. Man sollte Dich halt einfach fragen, bevor man musiziert.

  5. trash sagt:

    Lieber Lennart, es tut mir wirklich leid, dir den tag versaut zu haben, indem ich gesagt habe, dass das was du geschrieben hast und über was du geschrieben hast mist ist.

    tschuldige.

    ich habe nie gesagt, dass mich irgendjemand fragen soll wie irgendwas geht oder das ich irgendwas besser kann. ich nehme es mir nur herraus, mit meinem gesunden menschenverstand und mit meinen gesunden ohren über etwas offensichtlich bescheurtes zu urteilen.

    Ich lese deinen artikel und denke mir: klingt ja ganz spannend, schön geschrieben, alles super und dann google ich DC SCHNEI… den rest muss ich nicht erzählen.

    es erinnert mich an eine situation im museum. ein raum wurde renoviert, kabel hingen aus der wand, eine lampe hing schief von der decke und ein offenstlich kaputter bilderrahmen stand einfach so rum. ich betrete den raum und es stehen ernsthaft leute vor den kabeln, der lampe und dem rahmen… „oh diese kabel sind aber interessant“ „ah was hat der künstler sich nur dabei gedacht, den rahmen in die ecke neben materialien zum streichen der wände zu stellen“ … vielleicht standest du ja dabei.

    kein rhythmus, kein guter klang, keien gute melodie, ein wirrwarr aus tönen, die nicht zusammenpassen und dementsprechend grausam klingen. das ganze in einer schon fast gruseligen hipster verpackung.
    das ist wie moneyboy oder menderes nur ohne hurensohn und mit schulabschluss.

    aber hey ich bin bestimmt einfach nicht intellektuell genug für sowas. am besten antwortest du mit richtig vielen fremdwörtern. sowas kommt total cool und dann glauben leute auch wirklich, dass sie etwas offensichtlich beschissenes besser gut finden sollten um nicht zu viele fremdwörter ausm zweiten semester soziale arbeit an den kopf geschmissen zu bekommen.

    http://www.colossiarte.it/Opere/Merda_ok_Italiano.jpg

  6. trash sagt:

    achja übrigens. ich bin stark für dissonanzen.
    ein wenig konsonanz in den liedern wäre dennoch
    angebracht gewesen.

  7. Lennart sagt:

    Entweder, das ist alles vorsätzlich oder… etwas anderes fällt mir gar nicht ein. Solltest Du wirklich so denken, wie Du schreibst, wäre es kein Wunder, wenn Du eine Abneigung gegen alles hast, was irgendwie vage nach Kunst oder intellektuellem Geschreibse aussieht.

    Aber es scheint mir eher ein Versuch im Klischee zu sein, und ja, so eine Trollerei schmeichelt mir auch ein wenig. Weiter so!

  8. Christian sagt:

    Lennart hat auf jeden fall recht! DC Schneider fabriziert hier Kunst! Auch wenn hier vielleicht noch nicht alles perfekt ist kann den beiden großes Talent mit Sicherheit nicht streitig machen! Die stimmen der beiden Schwestern harmonieren aus meiner Sicht durch die gewollten Dissonanzen extrem gut! Die Melodien gehen erstaunlich gut ins Ohr. Gerade du trash solltest dir unbedingt den Auftritt vom Fusion mal mit geschlossenen Augen ansehen und ich denke du wirst es genießen wenn du nur ein bisschen Ahnung von Kunst und Musik hast…

  9. Trash sagt:

    Hahahaah

  10. Durchfall sagt:

    Tut mir Leid, aber für mich bekommt so etwas wie die Gitarren absichtlich nicht zu stimmen oder ultraabstrakte Malerei erst dann eine Aussage, wenn der Künstler auch das klassische Handwerk beherrscht, was ich bei DC Schneider stark bezweifle. Um bei der Parallele mit der Malerei zu bleiben: Für viele Leute sieht moderne Kunst, v.a. abstrakte Malerei so aus, wie von Dreijährigen kreiert. Der große Unterschied besteht für mich darin, dass der Künstler, der solche Bilder malt, es auch anders könnte und damit etwas ausdrücken will. DC Schneider sind für mich allerdings näher am wirren Geschmiere eines Dreijährigen. Mit dem Unterschied, dass sie wissen, wie man dieses Geschmiere verpackt, um es nach Kunst aussehen zu lassen. Soweit ich weiß, (keine Quelle gefunden, aber soweit ich mich erinnere mal in der Zeitung gelesen) hat ein Künstler mal ein Bild seiner 3-jährigen Tochter für viel Geld versteigern lassen (alle dachten es wäre von ihm). Man kann diesen Akt natürlich wieder als Kunst sehen. Kunst kennt wenige Grenzen und dieser Tat wohnt auch Kreativität inne. Darin oder in der Musik von DC Schneider so etwas wie ehrliche Arbeit oder eine anzuerkennende Leistung zu sehen, halte ich aber immer noch für arg übertrieben.

  11. Werter Durchfall, zumindest ich habe DC Schneider nie als Kunst bezeichnet, nur als Musik, von „ehrlicher Arbeit“ ganz zu schweigen. Mir ging es um ihre Unmittelbarkeit.

    Und das Stimmen der Instrumente: ein Stimmgerät kaufen oder eine App herunterladen ist einfach, wer es nicht tut, macht das mit Absicht. Das war’s auch schon, um nicht mehr als diese Fähigkeit ging es. Da ich selbst Gitarre spiele und weiß, wie einfach das Stimmen vor allem aufgrund dieser Hilfsmittel ist, wundere ich mich und unterstelle hier Vorsätzlichkeit, der Rest steht im Text.

    Handwerkliches Können ist übrigens auch dann noch nicht gegeben, wenn man eine Gitarre stimmen kann.

  12. Durchfall sagt:

    Ich spiele auch Gitarre und ja: Stimmen ist einfach und es kann jeder Depp, wenn er es nicht nach Gehör macht. Hier ist für mich aber nicht nur beim Stimmen der Gitarren Unvermögen zu erkennen. Es fehlt für mich auch jeder Rest „handwerklichen Könnens“, selbst rhythmisch sind sie unfähig, wie das Video „DC Schneider at Fusion“ auf YouTube beweist. Nur weil sie sich an etwas orignillerer Musik versuchen als die klassische Garagenpunkband bleiben sie für mich auf der selben Stufe.

  13. Durchfall sagt:

    Zu deinem Einleitungssatz noch: Ich wundere mich, wie man so etwas als Musik, nicht aber als Kunst bezeichnen kann. Erstens ist Musik für mich eine Form der Kunst und zweitens liegt wenn dann das Künstlerische sicher nicht darin, dass die beiden besonders musikalisch wären.
    Kunst kommt außerdem von Können und von Können kann hier ja wohl keine Rede sein…

  14. Lennart sagt:

    „Nur weil sie sich an etwas orignillerer Musik versuchen als die klassische Garagenpunkband bleiben sie für mich auf der selben Stufe.“, nun, wo ist das das Problem? Gegen Garagerock ist nichts zu sagen, und ab und zu mal was „orignilleres“, warum nicht?

    Und klar ist Musik eine Kunstform, ich meinte damit nur, ich hätte niemals auf einem „Die können das nicht, deshalb ist das Kunst.“ bestanden.

    Ich zitiere mich mal selbst:

    „Ist sie traurig? Melancholisch könnte sie sein, aber gleichzeitig grausig. Oder aber albern, parodistisch, ausgelassen, da unbedarft oder zwanghaft, weil ohne jegliche Beschönigung in den Raum geworfen. Sie ist rücksichtlos, konfrontativ und überheblich ebenso wie naiv, ermutigend und bestärkend, denn kann so etwas nicht jeder?“, mehr nicht. Kunst, nicht Kunst… weiß der Geier, Kunst entsteht gewiss nicht dadurch, dass man sie anhand irgendwelcher Merkmale dazu erklärt.

    Ich höre diese Musik, sie ruft Gefühle nicht nur des Widerwillens hervor, und mehr nicht. Ab wann irgendwer genügend Qualität wahrzunehmen glaubt, die ausreichend ist, um etwas ernstzunehmen, ist mir gleich. Auch, ab wann eine Band eine „richtige“ Band ist, ob sie tight ist oder nicht… all das kann mir, muss mir aber nicht wichtig sein.

    Das ist beim Schreiben ähnlich, wobei ich das nicht böse meine: der eine kann’s besser, der andere schlechter, vergisst mal ein Leerzeichen oder Komma, schreibt was falsch, und doch liest man’s und grübelt, was er oder sie wohl meint.

  15. Anne sagt:

    Lennart du schreibst so geil! Echt Hammer.

    ….

    Wie du dich bewegst in dem Outfit.

  16. Lennart sagt:

    Danke! Outfit ist dann Umfeld?

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