Was war das 2008 noch einfach. These New Puritans sprangen mit einem Bein auf den „New Wave of the New Wave“-Zug auf, hatten aber im anderen noch genügend Rhythmus-Zuckungen, um nicht gänzlich in dessen Sog zu geraten. War „Beat Pyramid“ ein geradezu leichtfüßiger Einstieg, geriet das folgende „Hidden“ schon ein wenig unter die Räder und verband Bass, Band und Brummen zu einer selten gehörten Mixtur, deren einzelne Tracks sich aber nahezu immer dem großen Ganzen unterordneten. Und jetzt?

„Field Of Reeds“ geht den Weg konsequent weiter. Vorbei ist es mit indiepoppiger Hektik, hinfort gewischt wurden die energischen Trommelwirbel. Jeglicher Hang zum einstmals doch so martialischen Klangbild verschmilzt zu einem Amalgam aus Kunst und Anspruch, setzt sich über Schubladen hinweg und knüpft neoklassische Elemente an die abgehangenen Zöpfe konventionellen Post- und Post-Post-Rocks. Kein Wunder, geben sich doch Jazzer, klassische Musiker, Soundtrackkomponisten und die traditionelle Fado-Sängerin Elisa Rodrigues die Klinke in die Hand und sorgen für ein Klangbild, das sich auf Plattenlänge tragen kann, dem Hörer allerdings allerlei abverlangt. Ein geduldiges, ja akribisches Schubladenstöbern sei somit Grundvoraussetzung, schließlich weiß man nie, wo man die einsame Trompete aus „Nothing Else“ schon mal gehört haben könnte.

Dass sich über die gut 50 Minuten keine klaren Singles ausmachen, liegt auf der Hand, kein „En Papier“, kein „We Want War“, dafür ein bereits vorab veröffentlichtes „Fragment Two“, das dräuend vor Kunstbeflissenheit irgendwie wuchtig daherkommt und doch wenig endgültige Aussagekraft hat. „Spiral“ wird zum wagnerischen Engelschor und das folgende „Organ Eternal“ verschiebt die ohnehin schon massiv eingesetzten Tasteninstrumente in andere Sphären, hoch und höher, immer noch ein Stückchen weiter, noch ausufernder, noch … ja, künstlicher.

Kunst, der jedoch nur wenig organisches Fühlen anheim gestellt wird. Musik, die aus einem Füllhorn von Instrumenten schöpft, die zwar berührt, sich aber viel zu wichtig und schwer nimmt. Gesang, der seinen Anspruch nicht verhehlen will, aber auf halber Strecke schlapp macht. Zuviel Soundtrackästhetik, zu wenige eindeutige musikalische Bezugspunkte, zu wenig kanalisierter Pathos. Trotz allem können These New Puritans mit viel Geduld und unverhohlener Aufmerksamkeit auf Dauer sicherlich punkten.

So bleibt „Field Of Reeds“ artifizielles Popkonstrukt (fast) ohne Grenzen, das aber das namensgebende Schilffeld sicherlich nicht zum Rascheln bringt.

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