Sphärisches Grundrauschen, plätschernde Klänge, zischende und rasselnde Synthies – Musik wie von einer Wolke umhüllt. Der sinnliche Gesang von Daniel Woolhouse vermittelt zwischen Leichtigkeit und Melancholie, in einer Balance aus natürlich und synthetisch.

Sein Weg zur Musik wirkt etwas skurril, ist wohl aber bezeichnend für seine Generation und vor allem sein Talent. Woolhouse studierte Fine Arts im Londoner Stadtteil Wimbledon, bemerkte dann aber, dass Kunst ziemlich teuer ist – richtiger Erfolg war auch nicht in Sicht. Als er einen Job als Grundschul-Aushilfslehrer annahm, begann er, begann Musik zu machen – Stimme und Laptop sollten reichen. Unter dem Pseudonym Deptford Goth stellte er auf MySpace seinen ersten Song „Real Love Fatasy“, welcher an Mariah Carey angelehnt ist, online und der Erfolg nahm seinen Lauf. Das Londoner Label Merok überzeugte Woolhouse, eine Platte zu produzieren. So erschien 2011 die EP „Youth II“, Remixe für Purity Ring und Blood Diamonds folgten und mit „Life After Defo“ nun auch sein Debütalbum.

Wo Deptford Goths EP noch von Dubstep beeinflusst war, Beats klapperten, knarzten und recht verspielt daher kamen, erlebt der Hörer nun ein Album mit einem besonderen Glanz, mit einer Reife und dem Minimalismus von The xx und How To Dress Well. Liebevoll arrangierte Songs, ein Klangteppich, der nicht in synthetische Belanglosigkeiten abrutscht und so eine natürliche Wärme erhält. Im Zusammenspiel mit Woolhouses Gesang entsteht eine Intimität und Sinnlichkeit, welche unaufdringlich und doch intensiv auf den Hörer einwirkt. Hoffnung und Melancholie treffen aufeinander, vernebeln die Gedanken. Hier ein paar wirbelnde Beats, da leicht flirrende Synthies und organische Klänge sowie der rätselhafte, assoziative Gesang zwischen Folk und R‘n‘B, der durch Satzfragment-Wiederholungen oftmals etwas Mantra-artiges hat und im Zusammenspiel mit Woolhouses schleppend-melancholischem Stil eine eigene Posie erzeugt.

Nach eigenen Aussagen liebt er am R‘n‘B diesen Weg zwischen Angeberei und Selbstzweifel. Eine Zerissenheit ist auch Leitfaden des Albums, so werden wir in „Bloody Lip“ mit den Zeilen „There must never be/ There will never be/ There will never be“ konfrontiert, ohne je zu erfahren, welches Ereignis oder was auch immer nie wieder eintreten darf. Geheimnisvoll wie der Text stimmt hier auch der Sound: Ein sanftes Grundrauschen, welches an Streicher erinnert und nur zum Ende hin mit einem hellen Chor und plätschernden Synthies aufgeladen wird.

„Life After Defo“ verliert sich nicht in Uneindeutigkeiten, will aber auch nirgends dazugehören. Komplex und doch zugänglich, melancholisch-traurig bis hoffnungsvoll losgelöst – in einem Raum zwischen natürlich und synthetisch bleibt seine Musik trotz spielerisch verquirlten Experimenten klar, in einem Raum zum Entspannen und Loslassen, der sich trotzdem keiner Beliebigkeit aussetzt.

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