Das Erschaffen mühelos schöner, leichter, entspannter Rockalben ist mitunter eine unterbewertete Kunst. Vielleicht, weil man sie sich beim Anhören wie etwas vorstellt, das direkt aus einer Band herausfließt – so dass eine Band ebenso konzentriert und angestrengt wie ihre Musik wirkt, oder unangestrengt klingende Musik nicht wie das Produkt großer Bemühung erscheint.

Tatsächlich aber schütteln die meisten ein Album nicht einfach so aus dem Ärmel. In irgendeiner Mischung aus Vorab-Komposition und Improvisation, vor allem aber viel gemeinsamem Ausprobieren, entstehen Songideen, -ansätze oder auch schon vollendete, nur noch von Demoform zu Studioqualität hochzupolierende Stücke. Aus einer wie auch immer großen, vom Dutzend bis ins Dreistellige reichenden, losen Masse von wie auch immer ausgeformter Songs wird eine Auswahl getroffen, die dann irgendwann ein möglichst kohärentes, stimmiges Album ergibt. Oft ist dieses Ergebnis das Einzige, was man zu hören kriegt, der einzige Eindruck, auf dem man sich ein Urteil bilden kann.

Anders verhält es sich mit dem neuen Album von British Sea Power. Über das vergangene Jahr brachte die Band sechs EPs an Songmaterial heraus, das von der schepprigen Demo bis zur Albumqualität reichte und aus dem schließlich zehn Stücke für „Machineries Of Joy“ ausgewählt wurden. Es ist hier verständlich, wenn Bands sich nicht in den Entstehungsprozess gucken lassen wollen: Bei Enttäuschung über das Album könnte jemand der Band nun zusätzlich den Vorwurf machen, sie habe nicht die bestmögliche Auswahl getroffen oder diesen und jenen Song verhunzt. Was beim uninformierten Hören wie ein magischer Geniestreich wirkt, kann seinen Glanz verlieren, wenn man einen unromantischen Einblick hinter die Kulissen bekommt.

Doch ist „Machineries Of Joy“ gerade durch seinen Entstehungsprozess weitaus kompakter als ausufernde, an der Stunden-Marke kratzende oder sie gar überschreitende Werke wie „Do You Like Rock Music?“ und „Valhalla Dancehall“. Mit dem Vorsatz, es diesmal strenger bemessen zu halten, dampften British Sea Power zweieinhalb Stunden Material auf dreiundvierzig Minuten ein, ohne dass ihnen das typische Gefühl Seeluft atmender Weite abhanden gekommen wäre. Songs wie das herrlich luftige „Hail Holy Queen“ oder das dezent chorhaft hallende „Radio Goddard“ erstrahlen auch über kaum drei Minuten in voller Erhabenheit, während das doppelt so lange Titelstück nie zu weit von seiner Single-würdigen zentralen Melodie abdriftet.

Wem der Drift bei dieser Band gerade als positive Qualität erschien, wird „Machineries Of Joy“ vielleicht nicht mehr als anderen Alben abgewinnen. Doch zeigen vor allem die rockigeren Stücke wie „Loving Animals“ und „A Light Above Descending“ im Vergleich mit ihren EP-Vorgängern, wie die Band auch einzelne Stücke durch radikale strukturelle Kürzung effektiver gestaltet hat – Erstem wurde ein dreiminütiges Intro entnommen, Letzterem ein Gitarren-Zwischenspiel, die beide eher unnötig als wirkungsvoll ablenkten. Das Songwriting steht auf „Machineries Of Joy“ auch bei maximaler Sanftheit im Vordergrund, die Überdrehtheit muss dafür zurück stehen – kein großer Verlust, wenn „K-Hole“ und „Loving Animals“ eher alibimäßig als lustvoll fetzen.

An diesen Stellen wird auch klar, dass ihre krachlustigen ersten Singles nicht als Maßstab taugen für die Band, die British Sea Power heute sind. Gerade über den Verlauf der EP-Songmasse spürt man, wie gut es dieser Band tut, wenn ihre Songs einfach loslassen, Erwartungen abstreifen. „Machineries Of Joy“ mag nicht durchweg ihre besten Songs beinhalten – aus dem übrigen EP-Material ließe sich durchaus nochmal ein so gutes Album kreieren – doch in der Art, wie es mühelos Wärme und Behaglichkeit verströmt, fängt es die essentielle Stärke dieser Band so gut ein, es wie zuletzt nur ihre Soundtrack-Alben vermochten.

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