Stornoway: Ein Ort irgendwo im Nirgendwo bei Schottland. Und eine äußerst Social-Media-affine Band, der lange Ladezeiten auf ihrer Homepage egal sind, wenn nur das Artwork stimmt.

Optisch passen sie perfekt in die „Kategorie Hipster“. Man kann sie sich gut vorstellen, wie sie – analog zum Songtitel „Hook, Line, Sinker – auf ihren Retrorädern mit auf den Rücken geworfenen Jutebeuteln und hochgekrempelten Stoffhosen ihrer Sommerliebe entgegenfahren. Und dabei vielleicht vor Vorfreude mal Hände vom Lenker und Füße in der Luft haben. „Rob loves confusing time signatures, dogs and posh nosh; Jon loves accents, Russia, and weird musical instruments; Brian loves birds, power kiting and beer; Oli loves moustaches, palindromes and loop pedals.“ Wie alle Hipster wollen auch Stornoway keine sein, sondern individualisiert aus der Masse treten.

Während ihr Debüt „Beachcomber’s Windowsill“ nach eigenen Angaben über sechs Jahre reifen durfte und 2010 als Konglomerat aus zuvor veröffentlichten EPs erschien, ist „Tales From Terra Firma“ wohl eher klassisch im Verlauf eines Jahres entstanden. „Beachcomber’s Windowsill“ schaffte es bis in die Top 15 der UK-Albumcharts, das aktuelle Album kommt nicht ohne schöne Popmomente und Streicher aus – aber so richtig neu und innovativ ist das nicht. Wobei: „Knock Me On The Head“ – Harmoniumekstase meets „bayrisches Löffelsolo“ (kein Witz, sondern allein aufgrund dieser Tatsache Anspieltipp!) – ist fröhlicher Folk, auf den mit „The Great Procrastinator“ ein klassischer Lagerfeuersong folgt, der die Krankheit aller Hipster thematisiert. Auf warme und irgendwie auch positiv stimmende Weise.

Die vier werden nicht müde, ihre musikalischen Wurzeln zu beschreiben (Tom Waits, John Adams, David Gilmour) und lesen können sie auch. Nicht irgendwas, sondern natürlich Autoren aus dem 19. Jahrhundert. Anspruchsvoll, das allemal. Musikalisch ausreichend abgrenzen von all den anderen jungen Herren, die auch mal türkische Saiteninstrumente in die Hand nehmen und Westen tragen, können sie sich dabei nur selten. Alles irgendwie ganz nett, dabei zeigen aber schon die vielen Vergleiche auf der Labelseite von 4AD, dass Stornoway vor allem „klingen wie“.

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