Plattenpanorama – neue Alben im Schnellcheck (11/2013)


Wenn die Woche nur sieben Tage hat, kann man nicht jedes Album in aller Ausführlichkeit besprechen. Diesmal betrachten wir kurz und knapp neue Werke von Depeche Mode, Julia Kent, Portal und Scott & Charlene’s Wedding.

Depeche Mode – Delta Machine

Das Trio ist erfreulicherweise im Alter wenig versucht, den billigen Schmalz von Hurts übertrumpfen zu wollen, doch Ernst schützt vor Einfallsarmut nicht. „Delta Machine“ zeigt durchaus interessante Facetten – was hätte dies für ein Album werden können, wäre mehr darauf so Spectrum-Spools-ig schräg wie „My Little Universe“ – doch mangels zündender Ideen dümpelt das Gros der Songs wie klanglich volle Ausformungen eines unterentwickelten Zentrum dahin. (Uli Eulenbruch)

Label: Sony | VÖ: 22.03.2013

Julia Kent – Character

Was zwischen dronigen Langstrichen und flotteren, teils beat- und sampleinjizierten Cello-Loopkompositionen beginnt, vereint Julia Kent alsbald zu dringlicherer Intensität. „Salute“ erinnert in hellgläsernen Glockentönn an Jóhann Jóhannssons moderne Klassik, besonders vereinnahmend wird Kents drittes Album aber beim Ausfalten der emotionalen Klaustrophobie früher A Silver Mount Zion wie in „Kingdom“. (Uli Eulenbruch)

Label: Leaf | VÖ: 22.03.2013

Portal – Vexovoid

Echter Mathrock wird heutzutage nicht von kristallin klingenden Indie-Bands mit Hawaii-Hemden, sondern im Metal gespielt! Um sich das zu vergegenwärtigen, muss man nur einmal „Kilter“ von Portal anhören: Dieser Death-Metal-Song ist dermaßen strukturiert, dass man dazu tatsächlich die Soundkästchen einer Musiksoftware imaginieren kann. Was außerdem immer wieder faszinierend ist an dieser Art Hochgeschwindigkeitsmusik ist der Umstand, dass deren Gewalt und Krach irgendwann in der Wahrnehmung zu einer Art ambientem Fluss mutiert. Portal erfinden das Genre nicht neu, veröffentlichen mit „Vexovoid“ aber ein mehr als solides Album. (Mark-Oliver Schröder)

Label: Profound Lore | VÖ: 30.03.2013

Scott & Charlene’s Wedding – Two Weeks EP

Bereits vor einigen Monaten in – ja, wo schon – Australien als Split-LP mit Peak Twins (wie immer dort: Der Name ist viel schlimmer als die Band an sich) erschienen, dient „Two Weeks“ in Europa nun im schmucken EP-Format als willkommener Nachschub für das ebenfalls verspätet eingetroffene Debüt „Para Vista Social Club“. Wie derzeit kaum andere slackern sich Scott & Charlene’s Wedding die Seele aus dem Leib, lassen Antriebslosigkeit („I Wanna Die“) auf Lebensfreude prallen. Allen voran das unvergleichliche Titelstück spielt dabei die zentrale Rolle: Eine Pop-Hymne auf die Jugend, ein Aufschrei der wackeligen Gefühlswelt, ein unsicheres Wanken zwischen Enthusiamus und Langeweile, „and I drink in the day, when I get depressed“. Na dann, cheers! (Pascal Weiß)

Label: Critical Heights | VÖ: 22.03.2013

2 Kommentare zu “Plattenpanorama – neue Alben im Schnellcheck (11/2013)”

  1. Scott & Charlene’s Wedding sind dufte! Guter Tipp!

  2. Phil sagt:

    Die Two Weeks EP gefällt, danke für einen guten Tipp, den ich sonst sicher verpasst hätte!

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