Plattenpanorama – neue Alben im Schnellcheck (10/2013)


Wenn die Woche nur sieben Tage hat, kann man nicht jedes Album in aller Ausführlichkeit besprechen. Diesmal betrachten wir kurz und knapp neue Werke von Marnie Stern, Purling Hiss, Violetshaped und Woodkid.

Marnie Stern – The Chronicles Of Marnia

Wenn es in der Diskografie Marnie Sterns bisher eine kaum zu übersehende Tendenz gab, dann war das die immer stärkere Hinwendung vom Noise-/Mathrock zu kaugummiweichen Melodien und zuckrigem Cheerleadergesang. Während diese bisher aber immer nur mehr oder weniger durch die synapsensprengende Oberfläche aus grellem Gitarrengegniedel „transzendierten“, könnte „The Chronicles Of Marnia“ beinahe schon als handelsüblicher Indiepop durchgehen. Könnte, denn Marnies hakenschlagende, so virtuose wie kindlich naive Spielfreude im Zusammenwirken mit (diesmal) Oneida-Drummer Kid Millions bleibt natürlich auch im vierten Anlauf absolut einzigartig. (Bastian Heider)

Label: Killrockstars | VÖ: 22.03.2013

Purling Hiss – Water On Mars

Oft reicht ein Blick aufs Cover, um zu erahnen, was ein paar Sekunden später aus den Boxen tönt. So auch bei Purling Hiss: Der Bandname erscheint rechts oben in einer Art Bubblegum-LSD-Font und das Schwarzweiß-Bandfoto, fotographiert mit Fischaugenobjektiv, sieht aus wie nach einer Säure- oder Thermoattacke. Und so bratzt und fuzzt „Lolita“ auch direkt drauf los und lässt wieder einmal staunen, wie viel – gute – Musik immer noch zwischen The Stooges und Monster Magnet passt. Aber schon „Mercury Retrograde“ offenbart, dass es hier um mehr als nur das nächste Heavy-Psychedelic-Rock-Update geht. Purling Hiss verstehen sich nämlich auch auf feines Songwriting, gerne auch mit einem Augenzwinkern („Rat Race“), und haben ein Gespür für Melodien. Auf Albumlänge halten sich die aggressiv rockenden und die leisen, nachdenklichen Töne fast die Waage. Und wenn man sich noch für etwas so „anachronistisches“ wie Rockmusik begeistern kann, dann reiht sich „Water On Mars“ ein in den bis dato wahrlich nicht schlechten Jahrgang 2013. (Mark-Oliver Schröder)

Label: Drag City | VÖ: 22.03.2013

Violetshaped – Violetshaped

Diesem Nischenthema rinnt Blut aus den Lefzen! 60er-Jahre-Horror und schlechte Drogenfilme waren Inspiration für die geradlinig zuckenden Klänge der Kollaboration von Violet Poison – Chef des gleichnamigen Labels – mit dem Berliner Producer Shapednoise. Ihr Debüt taucht tief hinunter in die Abgründe von Techno und industriellem Rauschen und zerrt eben jene fiesen Töne aus alten B-Movies direkt auf die Tanzfläche, angriffslustig und unbarmherzig scheinen sich beide an der rasiermesserscharfen Gangart zu berauschen. „Violetshaped“ ist fies, roh und stolz auf den Dreck in seinen Vinylrillen. (Markus Wiludda)

Label: Violet Poison | VÖ: 14.03.2013 | Link: Albumstream

Woodkid – The Golden Age

Yoann Lemoines fabelhafte Videos sind Mal um Mal ein bildhafter Rausch. Auch der Wechsel zum Medium der Musik lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass das Maximale die Welt dieses Franzosen ist. Wo Superlative, Bombast und Pathos hausen, da fühlt sich Woodkid wohl: Er staffiert jeden Song bis unter die Decke aus, stapelt Pauken und Trompeten, schmetternde Synthies und Geigen. Danach quetscht er Dauergetrommel und hymnenhafte Melodien zum Abdichten in die wenigen Lücken, bis er fast jedem Song die Luft zum Atmen genommen hat. Wem die fehlende Selbstbeherrschung jedoch nichts ausmacht, wird mit einem mitreißenden Pop-Album belohnt. (Markus Wiludda)

Label: Island | VÖ: 15.03.2013

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