DarkstarNews From Nowhere

Das mit dem Zeitgeist ist ja manchmal so eine Sache. Während bis einschließlich „Merriweather Post Pavillon“ noch jede Veröffentlichung von Animal Collective als heißester Scheiß unter der Sonne abgefeiert wurde, fielen die Reaktionen auf deren jüngstes Album abseits der Auftouren-Redaktion oft verhalten aus. Die Neudefinition von Psychedelia hatte ausgedient, Post-Dubstep und Düsterpop das Ruder übernommen. Unter diesen Umständen scheint es umso verwunderlicher, dass das Londoner Trio Darkstar mit seinem ersten Album für Warp nun den exakt umgekehrten Weg geht.

Vom kühlen Pop-Step ihres Debüts „North“ ist auf „News From Nowhere“ nämlich höchstens noch die innige Melancholie zu spüren, die jetzt in ungeahnt wärmendem Licht erstrahlt. Irgendwo zwischen „Pet Sounds“-scher Blumigkeit und innerer Trauer erzeugt das Album seinen gleichmäßig treibenden Fluss. Nicht selten nehmen Darkstar dabei Fäden wieder auf, die besagte Animal Collective mit ihrem bis dato schönsten Album „Feels“ liegengelassen hatten. Das effektbeladene, mit Stimmloops und Glöckchengewirr aufwartende „Amplified Ease“ ist nur die offensichtlichste Referenz. Der an Panda Bear erinnernde Hallgesang und die dumpf und manchmal entfernt tribalistisch stampfenden Drums sind hingegen omnipräsent. Trotz aller Parallelen und unverkennbaren Einflüsse handelt es sich bei Darkstar mitnichten um Plagiatoren. Der Spagat zwischen melancholischer, elektronischer Popmusik und organischer Wärme gelingt ihnen wie nur den wenigsten innerhalb ihres Genres. Die fast schwerelose Luftigkeit wird von mechanischem, uhrwerksgleichem Klackern und Pluckern am Boden gehalten. Auch in den wenigen wilderen Momente lassen sich Darkstar nie aus dem Einklang bringen. Wenn überhaupt fungieren sie hier als robotisch ausbalanciertes Gegenstück zu den animalischen und unberechenbaren Amerikanern.

„News From Nowhere“ ist ein Album, das in seiner Homogenität gänzlich ohne große Knalleffekte auskommt. Das Songwriting stellt sich trotz klarer Bekenntnisse zum Pop dezent in den Hintergrund. Es dominiert ein Hang zum Ganzheitlichen, der Songrenzen verschwimmen lässt und trotz eindeutig erkennbarer Strukturen gelegentlich das Gefühl vermittelt, es mit einem Ambient-Werk zu tun zu haben. Das lässt sich sowohl als Stärke als auch als Schwäche auslegen, denn wo der Wirkungsgrad des Albums über die Gesamtlänge einerseits bekräftigt wird, fehlt es auf der anderen Seite ein wenig an griffigen und erinnerungswürdigen Momenten. Für den ganz großen Wurf verharren Darkstar vielleicht etwas zu sehr zwischen den Stühlen und scheuen klare Stellungnahmen in die eine oder andere Richtung. Auch wenn ich mir der relativen Mäkeligkeit meiner Kritik durchaus bewusst bin und das Endergebnis letztendlich mehr als zu überzeugen weiß: Bei etwas weniger Zaghaftigkeit wäre hier sogar noch mehr drin gewesen.

2 Kommentare zu “Darkstar – News From Nowhere”

  1. xxxxxxxxxxxx sagt:

    Das ist aber schon sehrsehrsehr nahe am Plagiat. Hatte nach „North“ und der Rezi mehr erwartet (Psych Dubstep, oder so).

  2. Im Zuge von Person Pitch und Strawberry Jam gab’s ja ne richtige Welle von Imitatoren, davon sehe ich das hier in gesundem Abstand. Der zurückhaltende, zart besaitete Gesang, die klare, Freiräume lassende Produktion, die IDM-Klickerei, das summiert sich einfach sehr schön und eigen – ist mir zumindest lieber als das x-te Postdubstep-Ding. Hat aber auch eher die Art von Songwriting, die nicht so sehr Hooks hat, die einen sofort packen, aber denkwürdige Melodien die man bei jedem Hören sofort wiedererkennt.

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