Plattenpanorama – neue Alben im Schnellcheck (03/2013)


Wenn die Woche nur sieben Tage hat, kann man nicht jedes Album in aller Ausführlichkeit besprechen. Diesmal betrachten wir kurz und knapp neue Werke von Cult Of Luna, Daniel Romano, Filthy Huns, Le1f, The Night Marchers, Veronica Falls und Widowspeak.

Cult Of Luna – Vertikal

Fünf lange Jahre haben sich Cult of Luna, eines der Flaggschiffe des Post-Metal, Zeit gelassen. Fast wie aus dem Nichts kommt nun „Vertikal“ und ist, wie zu erwarten war, ein richtiger Brocken. Nach dem überwiegend ruhigen Album „Somewhere Along The Highway“ und dem darauf folgenden, brachialen „Eternal Kingdom“ schlagen die Schweden wieder eine neue Richtung ein. Das Konzept von „Vertikal“ soll vage an Fritz Langs Stummfilmklassiker „Metropolis“ angelehnt sein, doch musikalisch kommt von dieser Sci-Fi-Haftigkeit wenig an, bis auf die Passagen, die sich anhören, als seien sie vom „Blade Runner“-Soundtrack. Dafür wird abwechslungsreiches Songwriting geboten, mit ordentlich Druck hinter den Riffs und viel Liebe fürs Detail, was den Einsatz der Synthesizer betrifft. Es wird gemunkelt, dass in diesem Genre hiermit bereits das Album des Jahres erschienen ist. (Michael Schels)

Label: Indie | VÖ: 25.01.2013

Daniel Romano – Come Cry With Me

Nach Indierock-Vergangenheit mit Attack In Black und Produktionsmeriten für u.a. City And Colour ist Daniel Romano seit nunmehr drei Alben tief im amerikanischen Country angekommen. Sein neues, „Come Cry With Me“ betiteltes Werk trieft zwar in jeder Sekunde vor Herzschmerz und Gefühl, klingt aber trotz Slide-Gitarre und Grand-Ole-Opry-Referenzen nicht nur nach Lagerfeuer- und Blaue-Bohnen-Romantik. Mit nasalem Twang und stoischem Traditionalismus arbeitet Romano an seinem eigenen Great American Songbook, schließlich lassen die Referenzen doch so ziemlich jeden Vergleich zwischen Gram Parsons und Kenny Rogers zu. Klingt komisch, ist aber definitiv jeden verdammten Seufzer wert. (Carl Ackfeld)

Label: Normal Town | VÖ: 22.01.2013

Filthy Huns – Filthy Huns

Schon der Projektname ist natürlich toll! Was einem da ad hoc für Assoziationen durch den Kopf rasen … aber darüber möchte ich mich hier gar nicht auslassen. Musikalisch fährt das Debüt von Nick Koenigs Projekt mit uns hinaus in eine Wüste, durch die Minimal Wave und Suicide auf Pferdesedativen wie Strohballen durch die Nacht treiben und ein dunkles Erdloch als Hallraum dient. Musik für die Geisterstunde, die traumhaft meditative Qualitäten entwickelt. (Mark-Oliver Schröder)

Label: Not Not Fun | VÖ: 14.01.2013

Le1f – Fly Zone

„Dark York” war eines der HipHop-Mixtapes des letzten Jahres. Le1fs abgefahrener Mix aus Digibeats und abseit jeglicher technischer Konvention gerappter Schweinereien wirkte wie eine entlarvende Karikatur auf die heterosexuellen Kollegen. „Fly Zone” ist sogar noch besser, indem es an den produktionsstechnischen Schwachstellen des Vorgängers ansetzt. Mit klarerem Sound Engineering machen blubbernde Synthie-Blasen, Dubstep-Rülpser und Subbass-Attentate nämlich gleich doppelt soviel Spaß. Ein Album für alle, denen A$AP Rocky einfach zu blöd ist. (Bastian Heider)

Label: Greedhead/Campstreet | VÖ: 28.01.2013

The Night Marchers – Allez Allez

Über die Ankündigung von Rocket From The Crypts Reunion-Tour wurde irgendwie selten erwähnt, dass erst einmal ein neues Night-Marchers-Album auf dem Plan stand – seltsam, rockt und rollt unter allen Speedo-Projekten dieses doch am ehesten mit RFTC vergleichbar. An deren Meisterwerke mag das Zweitwerk „Allez Allez” zwar nicht heranreichen, wartet aber mit einigen vergnüglichen Riffs und dem eigensinnigen Humor von John Reis auf – unter anderem einem Song namens „Big In Germany”, der die Popularität der Band in mehreren Städten eines Landes anpreist, in dem ihre Alben nur als Import erhältlich sind. (Uli Eulenbruch)

Label: Swami | VÖ: 22.01.2013

Veronica Falls – Waiting For Something To Happen

Veronica Falls waren für mich eine der Überraschungen der Jahres 2011. Ihren Jangle-Pop mit einer großen Portion Shoegazing brachte man seinerzeit eher mit US-amerikanischen Bands wie The Pains Of Being Pure At Heart oder Ringo Deathstarr in Verbindung. Allerdings mischten Veronica Falls ihrer Version noch eine wesentlich größere Portion New Wave und Gothic-Feel bei und hatten zudem, anders als zum Beispiel ihre Landsleute Esben And The Witch, neben der Stimmung auch immer den Song fest fokussiert. „Waiting For Something To Happen“ schließt musikalisch scheinbar nahtlos an den Vorgänger an, wobei die Verringerung des Gothic-Anteils zu Gunsten eines noch mehr in den Vordergrund tretenden Popfaktors ins Ohr dringt, es leider aber auch ein wenig musikalischen “Leerlauf” zu beklagen gibt. (Mark-Oliver Schröder)

Label: Cooperative | VÖ: 01.02.2013

Widowspeak – Almanac

Auf ihrem zweiten Album wechselt die Band mit der Hope Sandoval erstaunlich ähnlichen klingenden Sängerin vom Dream Pop des Debüts zu nicht weniger betörend schönem Folk und Americana mit Schattenanstrich. Dabei wird „Almanac“ zwar abwechslungsreicher und komplexer, bietet Sanft-Atmosphärisches ebenso wie pedalverjault Rockiges, gelingt von einer gefassten Stimmung zur nächsten nicht ganz kohärent. Auch kann Molly Hamiltons schläfrige Stimme mitunter gelangweilt statt verträumt wirken, jedoch geschieht dies nur in den gelegentlichen Momenten, wo dem gemütlichen Songwriting noch der letzte Schliff fehlt. (Uli Eulenbruch)

Label: Captured Tracks | VÖ: 25.01.2013

Ein Kommentar zu “Plattenpanorama – neue Alben im Schnellcheck (03/2013)”

  1. […] von der Leber weg singt Farrar über Gott und die Welt und streitet mit dem kürzlich im Panorama erwähnten Daniel Romano um das schönste und altertümlichste Countryalbum des […]

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