Plattenpanorama – neue Alben im Schnellcheck (01/2013)


Wenn die Woche nur sieben Tage hat, kann man nicht jedes Album in aller Ausführlichkeit besprechen. Diesmal betrachten wir kurz und knapp neue Werke von Eagulls, Esben And The Witch, Ethernet und The Casket Lottery.

Eagulls – Eagulls EP

Die Presse der Insel hat Eagulls einmal als „progressive punk“-Band bezeichnet – eine lustige Bezeichnung, war doch gerade Prog einer der Gründe für die Entstehung von Punk. Naja, egal. Punk ist natürlich richtig, aber Eagulls haben auch bei den Stone Roses und US-Alternative der End-80er, Anfang-90er ganz genau hingehört. So bringen die fünf eine immense Sounddichte zu Gehör, haben aber, und dabei sind sie dann sehr britisch, immer den Groove und die Möglichkeit des Lauthals-im-Pub-Mitsingens im Hinterkopf. Ihre EP versammelt fünf hochenergetische Songs, von denen „Moulting“ mit seinem VHS-Video vielleicht dem einen oder anderen geläufig sein könnte. Immer noch wärmstens empfohlen ist auch ihre Single „Council Flat Blues“, welche Eagulls von ihrer epischeren Seite präsentiert. (Mark-Oliver Schröder)

Label: Deranged | VÖ: 12.01.2013

Esben And The Witch – Wash The Sins Not Only The Face

Erinnert sich noch wer daran, als Düsterkeit das neue große Ding im Pop sein sollte? Seinen Zenit erreichten sowohl das ganze Medienphänomen wie auch Esben And The Witch vor zwei Jahren als Titelthema der Spex, denn während sich die Pop-Charts seitdem keinen Deut dimmten (im Gegensatz zu manch subkultur-elektronischen Strömungen), liefert das britische Trio nun ein zielloses zweites Album ab. Krampfhaft schematische Gitarrenmuster treffen dort auf effektlos blumige Rhythmik, verlieren sich mit ätherisch-gefälligem Gesang in traumverhangenem Goth-Pop der weder düster, noch ominös, sondern wie einfallsloser Durchlauf wirkt. Eine zufällige Suche nach „Goth“- und „Synth Rock“-Tags auf Bandcamp lässt einen in der Regel ein ergreifenderes Album finden. (Uli Eulenbruch)

Label: Matador / Beggars Group | VÖ: 18.01.2013

Ethernet – Opus 2

Auf seinem zweiten Album lädt Tim Gray zum Bad in jener Art von verrauschtem Ambient ein, die eher mit schönen Momenten aufwartet als sich zu einem stromlinienförmigen, dramatischen Gesamtverlauf zu entwickeln. Zu viel zugleich geschieht beispielsweise in „Dog Star”, wo die Hör-Aufmerksamkeit abwechselnd auf Dronetexturen und -melodien, pluckernde Seiten-Sounds und Beatmuster gerichtet wird – weswegen „Opus 2”, wenn man gerade von keiner seiner Bewegungen im Detail fasziniert ist, schnell dazu übergehen kann, bloß nett im Hintergrund vorbeizuziehen. (Uli Eulenbruch)

Label: Kranky | VÖ: 11.01.2013

The Casket Lottery – Real Fear

Post-Hardcore mit Synth-Touch ist nichts Neues, aber so glatt, wie hier Gitarren von sphärischer Elektronik umarmt werden, wirken selbst späte Elliott im Vergleich wie Fugazi. Auf dünneres Eis begibt sich „Real Fear” zwar in seinen poppigsten Stücken, jedoch eher, weil dem nach fast einem Jahrzehnt wiedervereinigten Trio dort das Songwriting zu flach gerät. Ansonsten steht die Phantom-Aura ihrem emotional schwarzgefärbten Screamo mit niedrigem Scream-Anteil gut. (Uli Eulenbruch)

Label: No Sleep | VÖ: 11.01.2013

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