El Perro Del MarPale Fire

Der spanische Hund vom Meer, hinter dem die Schwedin Sarah Assbring steht, läuft von der Silhouette des naturwüchsigen und urig schönen Strandes im Abendsonnenidyll zur touristisch aufgetakelten Strandpromenade, bei deren Aufbereitung es irgendwelche Geschäftemacher mit Schnurrbart wohl übertrieben haben, so dass alle Schönheit von Souvenirshops und Fernguckern begrenzt und verwertet wird. Wo fühlt sich unser Hund wohler? Wo wedelt sein Schwanz freudiger? Die Antwort liegt wohl im Unterschied zwischen fern sehen und Fernsehen.

Aber wovon spreche ich eigentlich? Von El Perro Del Mar und „Pale Fire“, dem vierten Album, das Assbring unter diesem Namen veröffentlicht und von dessen Elektifizierung. Assbring gibt an, bei der Entstehung des Albums von 90er-Dancemusik beeinflusst zu sein, was sich im Ergebnis vage erahnen lässt. Sie veröffentlichte 2009 eine Single mit Lykke Li of (inzwischen) Remix-Fame – vielleicht legt „Pale Fire“ auch nur von ihrem Versuch, ihre eigenen Remixhits zu schreiben, Zeugnis ab? Wenn, dann ist es nur in Auszügen gelungen: Assbrings Stimme ist schließlich zauberhaft (sie zaubert und verzaubert) und zart sowie einen Tick zu verträumt und vernebelt für den Dancefloor. Und weniger Hall hätte sie auch besser vertragen. Zudem ist Assbrings Songwriting zu sehr dem unbestimmtem Gefühl von Melancholie mit einem Silberstreif schmachtenden Glaubens an die Liebe (ein „Pale Fire“, gell?) verpflichtet, als dass die Songs aus ihrer Feder punktgenau auf der Tanzfläche landen könnten. Vereinzelt ist sie nah dran: Im Calypso-Trance „Hold Off The Dawn“, im quietschigen „Home Is To Feel Like That“, das klingt, als hätte Kate Bush in den 80ern Musik gemacht (hier stimmt was nicht!), auch im dunklen „To The Beat Of A Dying World“, das nicht nur thematisch fast Industrial sein könnte.

Der Großteil der Songs aber ist cheesy genug, dass man sich wundert, an keiner Stelle ein Saxophon zu hören. Denn das hätte noch gefehlt! Beispiele hierfür: „Walk On By“, der perfekte Soundtrack für ein entsprechend scheußliches, knallbuntes Trashvideo. Erklingt da etwa doch ein Saxophon? „Love In Vain“, wie gemacht für die Alleinunterhalter in schleimigen Touristenrestaurants dieser Welt. Und: Der Titeltrack und wie er es versteht, dahinzuplätschern. Manche plätschern besser als andere. Ich wollte schon „I Carry The Fire“ in diese Liste aufnehmen, aber die Hookline gen Ende des Songs rettet diesen dann doch.

Unser Hund am Meer, er steckt in einem Niemandsland, das zu kalt ist und zu viele Gebäude aus zu viel Beton beinhaltet. Es gibt Parallelen zur Unentschlossenheit aus kalter, unbestimmt loungiger Elektronik, in der Sarah Assbring zu stecken scheint: Ihre Labelmates von den Concretes und deren letztes Discoalbum „WYWH“, oder auch Blonde Redheads aktuellstes Werk „Penny Sparkle“. Auch sie kommen aus anderen Bereichen, haben sich aber in einem Eiswald aus matschiger Elektronik verlaufen. Liebe Sarah, wenn du schon elektronisch werden willst, wie wäre es dann mit Rap-Einlagen. Die würde dein Loungesound dicke vertragen! Oder ausgiebiger eingesetzte Chöre, damit kannst du doch umgehen! Warme elektonische Pluckersounds vielleicht? Soulelemente und Gitarren dürfen auch mitspielen. Na, das wäre doch fein? Das sind nur Vorschläge, aber bedenke: Der Hund am Strand braucht Freiraum, damit er spielen kann. Er muss auch mal baden gehen, er soll sich ja nicht erkälten, der kleine Racker!

64

Label: Memphis Industries

Referenzen: Taken By Trees, Lykke Li, Jane Birkin, The Magnetic Fields, Arthur Russell

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VÖ: 09.11.2012

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