StarsThe North

Stars waren gegen Mitte der Nuller Jahre, als Montreal und Toronto plötzlich zu neuen Pilgerstätten des Indiepop ernannt wurden, die vielleicht romantischste Pop-Band. In ausschweifenden Nächten konnte man damals zu „Take Me To The Riot“ in der Indiedisco die Fäuste recken und erst sehr viel später mit dem unvergesslichen „Your Ex-Lover Is Dead“ ins Bett fallen. „Set Yourself On Fire“ und mit Abstrichen auch der Nachfolger „In Our Bedroom After The War“ waren die Alben zur Stunde, Stars mit ihrem metrosexuellen Romantikpop der angenehm schwelgerische Gegenentwurf zu all den britischen Jungsbands.

Doch wie schnelllebig das Pop-Business ist, bekamen auch die Kanadier zu spüren. Ihr 2010er Werk „The Five Ghosts“ fand nur noch wenig Beachtung und überwiegend mäßige Kritiken. Indiepop hatte in der Zwischenzeit einige Transformationen durchgemacht, war flüchtiger geworden, verrauschter, teilweise düster, gab sich manchmal gar okkult. Aber was bleibt einer Band unter diesen Umständen groß übrig, als einfach weiterzumachen. Schon die Tracklist verrät, dass sich die Band zumindest in einer Hinsicht treu geblieben ist: Songtitel wie „Hold On When You Get Love And Let Go When You Give It“ oder „A Song Is A Weapon“ würde sich heutzutage doch sonst niemand mehr trauen. Liebe und Revolution im weitesten Sinne bleiben also auch 2012 die zentralen Themen der Stars.

Musikalisch entfernt man sich jedoch weiter denn je von seinen Ursprüngen. Die 80er bleiben zwar das Lieblingsjahrzehnt der Band, statt der sanften Shoegazer-Gitarren der Anfangszeit umschwirren aber immer öfter unzählige Synthesizer den süßlichen Duettgesang von Amy Millan und Torquil Champbell. Diese umgarnen sich auch auf „The North“ so innig, leidenschaftlich und nah am Kitsch wie eh und je und manchmal, wie in „Do You Want To Die Together“, geschieht dies sogar mit Mut zu lärmigem Getöse und scheinbar völlig „over the top“. Zumindest den Titel als letzte große Romantiker im Indiepop macht ihnen bis dato also niemand streitig. Wie es um die Bewertung des Rests steht, bleibt aber eine andere Frage.

Immer wieder die Liebe: Stars konzentrieren sich einmal mehr auf das schönste aller Gefühle, mitsamt jeglichen freudvollen wie schmerzhaften Begleiterscheinungen. Die Musik dazu ist diesmal weitaus weniger schnittig, manchmal kippt sie gar in schiedlich-friedlichen Schlager-Pop. Muss man nicht verstehen. Ein paar Perlen fallen indes natürlich wieder ab. (Kevin Holtmann)

Stars’ letztes Album war eine durchwachsene Angelegenheit, nach der man beim Hören ihres neuen prompt nostalgisch wird. Wurde dort verkrampft nach dem großdimensionierten Hit gestrebt, kamen zumindest mehrere Songs dabei heraus, die besser waren als alles auf „The North“. Das vor lauter Synths den Pop nicht aus den Startlöchern kriegende Titelstück ist beispielhaft für Musik, die gleichzeitig überfrachtet und nur zu 2/3 zu Ende gedacht ist, die nicht nervt, sondern gar nicht groß berühren kann. (Uli Eulenbruch)

Die Glanzzeiten der Band scheinen (soweit man das nach 6 Studioalben sagen darf) vorbei, aber auch wenn „The North“ in seiner Synthielastigkeit musikalisch gelegentlich etwas flach wirkt, erinnern hier mehr als nur einige schöne Melodien und Zeilen daran, was man an „Set Yourself On Fire“ einst so liebte. Irgendwie gut zu wissen, dass es Stars immer noch gibt. (Bastian Heider)

Label: Unter Schafen

Referenzen: Young Galaxy, New Order, Death Cab For Cutie, Memphis, Heart, Passion Pit

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VÖ: 19.10.2012

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