Susanne Sundfør wendet sich immer weiter von der Sonne ab. War ihr Debüt vor fünf Jahren noch recht konventionelles Singer-Songwritermaterial, schlug sie 2010 auf „The Brothel“ ungleich tollkühnere Wege ein, nährte die Atmosphäre ihrer Musik mit elektronischen Beats und synthetischen Flächen.

Das Nachfolgewerk „The Silicone Veil“ ist weniger Expansion dieser Sounds geworden als eine Pop-Präzision. Weniger verschnörkelt und weniger spektakulär fallen Sundførs Arrangements diesmal aus. Die Songs sind auf die nicht unbedingt simplen, aber doch eingängigen Melodien fokussiert, die von der eindringlich dramatischen Stimme der Norwegerin durch noch düstere Themengefilde als zuvor transportiert werden.

Die gelegentlich überbordernde Experimentierlust mag man vermissen, andererseits zeigt sich „The Silicone Veil“ Song für Song klarer gefasst, homogener. Eigenständig genug, um nicht bloß ein Flickern im Düsterpop-Zeitgeist zu sein? In ihrer Heimat jedenfalls zeigte sich die Kritik begeistert, Musikexpress (vier Sterne) und Spiegel Online nicht viel weniger enthusiasmiert.

Diese Stimme! Ausladend, grazil und doch so präsent. Wenn Sundför „White Foxes“ anstimmt, ist das einer der ganz großen Momente des Popjahres 2012. Und der Rest? Wirbelt, fuchtelt, schwelgt und leidet. Mitunter ist ihre Musik immer nah dran an klebrigem Esoterik-Pop und könnte etwas mehr Dreck und Düsternis vertragen, um die käsigen und kitschigen Keyboardflächen zu konterkarieren. Was aber nichts daran ändert, dass dieses Album Vision, Seele und Können überzeugend kombiniert. (Markus Wiludda)

Bei allen Ambitionen wird nicht ganz klar, wohin Sundfør denn nun will. Fever Ray, ohne Gespür für avantgardistische Kniffe? 80er-Synthpop mit einer Prise Gothic? Elfengejodel? Pathos? Diese Ecke bespielt Florence bereits so eng, dass Sundfør nicht auch noch rein passt, trotz der Streichermacht von „Meditations In An Emergency“. Selbst leise, auf maximale Empathie ausgerichtete Songs lassen rat- und teilnahmslos zurück. „Wenigstens singen kann sie,“ möchte man ausrufen, aber das allein reicht leider nicht. (Mark-Oliver Schröder)

Monochrome Popentwürfe scheitern auf Albumlänge oft an Variationsarmut. Sundfør hingegen fährt mit ihrem verhangenem Sound mehr als nur eine Schiene: Klassizismus und Electro-Moderne, aussparende Intimität und opulenter Grandeur, zwischen diesen interpolierten Extrema wird „The Silicone Veil“ nie eintönig und lädt mit komplex verwobenen Kompositionen dazu ein, in seiner melodiös vereinnahmenden Schattenwelt zu versinken. (Uli Eulenbruch)

Label: Grönland

Referenzen: Zola Jesus, Patrick Wolf, Austra, Radiohead, Björk

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VÖ: 05.10.2012

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