„WE COULD BAIT A LION! BUT WHO WOULD FIX THE FUTON?“ Andy Falkous schreibt die Art von Texten, die man in Großbuchstaben zitieren möchte. Das scheint der einzige Weg, um den Verlust seines geätzten Stimmklangs und Tonfalls im gedruckten Wort wettzumachen.

Der Sänger von Future Of The Left ist nicht der letzte britische Grantler – Luke Haines oder Mark E. Smith könnten sicher mit ihm um die Wette geifern – aber niemand sonst würde einen Song wie einen Witz mit „Three men walk into a cafe“ beginnen. Dabei erzählt er weiß Gott keine Witze. Seine Texte sind lustig, weil sie ironisch sind, sarkastisch und zynisch, weil sie überhöhen und absurd kontrastieren. Doch Falkous nimmt sich selbst zugleich weniger und mehr für voll, als dies ein professioneller Comedian täte.

Der ebenso albernen Zeile „Waiter waiter, there’s movement in my soup“ folgt die wahre, gänzlich unhumoristische Pointe „You’re not just a punchline now, you’re not just the end of something.“ Der Song „Polymers Are Forever“ wirkt wie sarkastisches Ätzen gegen Umweltverschmutzung („Old stones collected / in plastic bags on a bloody isle / then placed in rows on the ocean floor / your friend: polymers“), wird jedoch kontrastiert von persönlicher, menschlicher Vergänglichkeit ohne Rückstände („They are pulling me down / and then I’m dead then I’m gone“). Anderswo erhebt sich Falkous‘ Zorn gegen plündernde Wohlstandskinder, Wirtschaftsdepression übersehenden Nationalstolz bei den olympischen Spielen oder vergnügungssüchtige Touristen, doch ist es eben meist nicht sinnvoll, seine Texte auf Themen zu reduzieren. Ihr Appeal liegt in der Sprungartigkeit, mit der knackige, nur zu gern zitierte Einzeiler aus seinem Mund fließen und auf unerwartete Art vor den Kopf stoßen. Und natürlich im eingängigen Noiserock, der sie begleitet.

Um den ist es allerdings in einer Hinsicht auf „Travels With Myself And Another“, dem dritten Studioalbum von Future Of The Left, schlecht bestellt. Nachdem die Band das Label 4AD im Streit verließ, wirkt es, als hätte hier jemand gefehlt, der ihr einmal hätte reinreden können. Auch wenn es nicht ganz leicht ist, klare Kandidaten dafür zu finden, gibt es mit fünfzehn Songs vor allem gen Ende ein paar Längen, wenn keine starken Akzente mehr gesetzt werden. Das große Problem ist jedoch die frustrierend unausgegorene, selbstfinanzierte Produktion. An vielen Stellen klingt das Album dumpf, flach, schlecht abgemischt, doch verwirrenderweise von Song zu Song und auch Instrument zu Instrument unterschiedlich.

Vielleicht begann die Band mit extrem verschiedenartigen Aufnahmen und schaffte es nicht, sie auf eine stimmige Linie zu bringen, vielleicht scheiterte sie am Versuch, ihnen verschiedene, jeweils in sich stimmige Klangprofile zu geben. „Goals In Slow Motion“ strebt zu einer dem mehrstimmigen „More than just a weekend in the sun“-Refrain durchaus passenden Rockpolitur, ist aber dumpf und unscharf wie ein Stream in Niedrigbitrate. Im Nachfolgestück hingegen ist das zuvor so störend vermatschte Schlagzeug bestechend klar, als käme es von einem anderen Album. So dürfte es – mehr noch, als seit dem Livealbum „Last Night I Saved Her From Vampires“ ohnehin bekannt sein sollte – imperativ sein, diese scherzenden Naturgewalten im Konzertumfeld zu erleben.

Denn seit die Band zum Quartett angewachsen ist, scheint sie nicht nur um mindestens ein Drittel hookreicher geworden zu sein. Sie wird obendrein von einer neuen Muskulösität angetrieben, der voluminöse Bass von Julia Ruzicka sticht gerade dank der anderswo vernachlässigenden Produktion besonders machtvoll hervor. Drummer Jack Egglestone, von jeher treuer Begleiter bei allen von Falkous‘ Schandtaten, bleibt auch dann verlässlicher Antreiber, wenn kaum noch wie in „Camp Cappucino“ auf der Stelle stehend die Hüfte geschwungen, sondern meist voluminös nach vorne getrieben wird. Nirgendwo geschieht dies in reinerer Form als in „Robocop 4 – Fuck Off Robocop“, dessen Finale überdreht und abgehackt berifft wird und Falkous‘ koffeininjizierten Wortstrom hysterisch vertont. Dank der Unterstützung von Gitarrist Jimmy Watkins kann Falkous auch stärker zum grell verknarzten Keyboard greifen, wie in „A Guide To Men“, das sich enervierend von einem flitzenden Arpeggio zu langen, grellen Speeren steigert, während das stramm marschierende Schlagzeug die Ungemütlichkeit des Stücks untermauert. An dieser Stelle ist er einmal nicht originell absurd, sondern schreit die Sache auf den Punkt: „This is a song about total war!“

70

Label: Xtra Mile

Referenzen: The Jesus Lizard, McLusky, Shellac, Death From Above 1979, Pissed Jeans

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VÖ: 15.06.2012

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