Wir von auftouren.de bewegen uns für gewöhnlich ja eher abseits der niedergetrampelten Pfade des Pop und beleuchten Musik, die nicht zwangsläufig chartskompatibel ist. Natürlich folgt unsere Auswahl keinem wie auch immer gearteten Dogma. Darum unternehmen wir heute einen kleinen Ausflug an die Spitze der Verkaufscharts, denn dort steht eine Horde Isländer, die feinen, sympathischen Indierock spielt, der sicher keine Innovationspreise ergattern wird, dafür aber einen kleinsten gemeinsamer Nenner für viele Musikhörer darstellt.

Of Monsters And Men sind sechs junge Menschen aus dem schönen Island, die momentan omnipräsent sind. Ihr Song „Little Talks“ läuft in Dauerschleife im Frühstücksradio, darüber hinaus untermalt er TV-Spots und auch WG-Parties sind nicht vor ihm sicher. Und eigentlich lässt es sich ja ganz wunderbar damit leben, schließlich darf man es ruhig auch mal mit einem wohlwollenden Kopfnicken absegnen, dass sich ein guter Indiepop-Song im Heavy Airplay festsetzt. Natürlich wäre zu kritisieren, dass Of Monsters And Men naive, harmlose, vielleicht sogar etwas biedere Musik spielen, aber in vielen Situationen ist doch genau das angenehm, weil unaufgeregt und nicht mit aller Macht auf Distinktion getrimmt. Haarspalterei ist unsere Sache nicht, zumindest nicht hier und heute.

Für ihr Debütalbum „My Head Is An Animal“ hat das Sextett logischerweise den Blick auf die Erfolgsrezepte anderer großer Indie-Bands der letzten Jahre gerichtet. Der männlich-weibliche Doppelgesang erinnert in vielen Momenten an Edward Sharpe & The Magnetic Zeros, mit Sicherheit einer der auffälligsten Einflüsse. Ansonsten vernimmt man viel von dem, was auch hemdsärmeligen Folkrock-Bands wie Mumford & Sons gut zu Gesicht stand. Of Monsters And Men sind keine hochtrabenden Kunsthochschulstudenten mit Avantgarde-Ambitionen, sie buddeln lieber im Dreck, sammeln Regenwürmer, springen in Pfützen. Sie lauschen aufmerksam dem Regen, der auf die Fensterscheibe prasselt. Sie lachen und weinen gemeinsam, sie leiden und lieben. Aufgesetzt wirkt das also gar nicht, schließlich sind die Stücke so dermaßen aufs Wesentliche reduziert, dass lediglich die schneebedeckten Hey-Rufe in jedem zweiten Song auf seltsame Weise herausstechen.

Müsste man jetzt bestimmte Momente nennen, zu denen man diese LP hört, könnte man sagen: Of Monsters And Men spielen Musik, die man auf Picknickausflügen mit der Herzensdame hört, weil man eben weiß, dass sie auf Lieder wie „Lakehouse“ oder „Dirty Paws“ steht. Und wenn sich die Sonne hinter den Wolken versteckt, es langsam beginnt zu regnen und zu donnern, vielleicht sogar zu blitzen, dann rennt man Hand in Hand zum Auto, hört „My Head Is An Animal“ und fühlt sich dabei gar nicht mal so falsch. Denkt in solchen Momenten ernsthaft jemand darüber nach, ob auch die eigene Tante zu dieser Musik ihre Tischdeckchen bügelt? Falls ja, ist man sowieso hoffnungslos verloren.

68

Label: Universal

Referenzen: Edward Sharpe & The Magnetic Zeros, Arcade Fire, Mumford & Sons, Stars, Imaginary Cities

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VÖ: 27.04.2012

7 Kommentare zu “Of Monsters And Men – My Head Is An Animal”

  1. schöne beschreibung und ich könnte mir wirklich vorstellen, dass meine tante zu dieser beschallung ihre tischdecken bügelt. ein album, das nicht viel will, dafür auch nicht viel bietet und auch spätestens im herbst wieder vergessen sein wird.

  2. Rinko sagt:

    Ich mag eigentlich netten Indie-Pop, aber nicht auf so eine belanglose Art und dreist zusammen geklaute Art.

  3. Rinko sagt:

    Ups, ein Art weniger bitte ;) Übrigens meinte eine Bekannte eines Freundes letztens zu Litte Talks“ Oh, ist das nicht unsere Lena :)?“

  4. Ich hab gar nicht mitbekommen, dass die gerade so steil gehen, dass man sie jetzt schon wieder hassen muss. Gibt schlimmeres.

  5. Pascal Weiß sagt:

    Django Django.

  6. […] Gemüt ins Gesäß und hottete mit eben jenem zu dem Radiohit „Little Talks“ der Band Of Monsters And Men ab. Ich dachte (in Momenten der Verlorenheit auf dem Dancefloor zu denken qualifiziert einerseits […]

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