Sleeping Policemen: Hamburg, Anorak City


Das Rezensionsgeschäft bei Auftouren ist entgegen aller anderslautenden Gerüchte ein hartes Brot. Da gilt es superkritisch abzuwägen, jede Platte auf ihre einzelnen Faktoren auseinanderzudividieren und letzten Endes sogar noch mit den Kollegen bis aufs Blut um die Bewertungspunkte zu feilschen. Am Ende schaffen es so nur die Wenigsten, den strengen Plattentest mit dem allseits anerkannten Qualitätssiegel „Auftourenliebe“ abzuschließen. Das Alles ist natürlich irgendwo großer Quatsch, denn letztendlich könnte kein noch so ausgeklügelter Herz- und Nierentest, keine noch so oft hinterfragten Bewertungskriterien und Punktzahlen auch nur annähernd ausdrücken, was die jeweilige Platte dem Einzelnen bedeutet. Wenn man verliebt ist, ist man eben verliebt.

Das Debütalbum der Sleeping Policemen ist so ein Fall, kommt recht unscheinbar um die Ecke gebogen, schmeichelt sich freundlich ins eine Ohr rein und zum anderen wieder hinaus und erst nach einigen Wochen bemerkt man, wieviel Liebenswürdigkeit diese fünf Menschen ganz heimlich irgendwo dazwischen versteckt haben. Aber nochmal von vorne. Sleeping Policemen sind neben solchen Untergrund-Heroen wie den Honeyheads, Big Ideas, Tripping The Light Fantastic oder den Upcoming Superstars von Die Heiterkeit einer der Gründe, warum sich Hamburg spätestens in diesem Jahr als offizielle Twee-Hauptstadt der in Sachen anoraktragender Indiepop leider immer noch ziemlich darbenden Republik etabliert haben dürfte.

Und Indiepop, das können Sleeping Policemen nunmal richtig gut. Es ist die reine Freude, ihnen dabei zuzuhören, wie sie unter der elegant dezenten Produktion Rick McPhails alles zwischen Camera Obscura und Cats On Fire mit feinen Dosen Strokes’scher Lässigkeit kombinieren. Dabei wird dann, aller Whimpiness zum Trotz, einiges an Kraftausdrücken ausgetauscht, sein Unheil in White Russians ertränkt und nebenbei noch aus dem besten Rap-Album aller Zeiten zitiert. Und das wären auch nur drei gute Gründe, diese Band zu mögen. Kein Album des Monats, ein Album der Herzen.

Das selbstbetitelte Album von Sleeping Policemen ist am 16. März via Shining Waters/Apricot erschienen.

Bild: Thomas Burisch

3 Kommentare zu “Sleeping Policemen: Hamburg, Anorak City”

  1. Bastian, welches Rap-Album meinst Du?

  2. Haha, das haben wir selbst gar nicht auf dem Schirm gehabt. Der gute NAS. Kein Wunder, dass wir die gleichen Idiome mögen. Bastian, das ist ein ganz wunderbarer Text. Vielen, vielen Dank!

Einen Kommentar hinterlassen

Platten kaufen Links Impressum