Deichkind in Braunschweig: Partyspaß mit Trash-Kryptik
Eine Meeresküste. Groteske Gestalten in Trash-Kostümen. Seltsame, große Gebilde werden aus dem Wasser gefischt. Wald und Wiesen.

Die Figuren formieren sich. Schließlich scheinen sie angekommen zu sein, die Teile – zu einer Art Bühne zusammengesetzt – sind nun das Zentrum eines Kultes, die Kostümierten stehen in einem Halbkreis davor – und die Bühne hebt ab, wird über das Meer getragen. Wohin? Möglicherweise zum Deichkind-Konzert, für das dieser Kurzfilm als Intro fungiert. Die Zuschauer warten gespannt. Was befindet sich hinter der Leinwand, auf die der Film projiziert wurde? Als Voracts sind zuvor über eine Stunde lang Musikvideos gelaufen, das Publikum wurde mit unterhaltsamen Clips – aufgrund ab und zu auftauchender MTV-Symbole und mangelnder Qualität offensichtlich aus dem Internet gezogen – in Stimmung gebracht, was besser funktioniert hat als die meisten Vorbands. Jubel bei Men At Works „Land Down Under“ und letztendlich Partystimmung beim dem letzten Song, „Hells Bells“ von AC/DC. Und danach dieser seltsame Kurzfilm.

Nachdem das Publikum nochmals hingehalten wird – schemenhaft wird angedeutet, was hinter der Leinwand zu erkennen ist – öffnet sich der Vorhang allmählich, die drei Deichkinder escheinen, selbstverständlich in ihren Mülltüten und seltsamen Hüten gekleidet, „99 Bierkanister“ ist der erste Song. Es beginnt eine perfekt inszenierte Bühnenshow, mit Choreografien, viel Trash, Ironie und natürlich Party. Beim zweiten Song „Befehl Von Ganz Unten“ wird der Vorhang endlich ganz gelüftet. Mehrere Prismen unterschiedlicher Größe fungieren als Bühnenbild. Immer wieder werden an diesem Abend Dreiecke auftauchen, ob als Handzeichen oder als Hut zweier weiterer Figuren, die die drei Rapper von Deichkind choreografisch unterstützen. „Trash-Kryptik“ könnte man das Bühnenkonzept Deichkinds wohl betiteln.

Passend zu den Songs der Band. Der erste Teil des Sets besteht aus den Elektro-Tracks, vielen Songs des neuen Albums, dazu ein paar Partyhits wie die „23 Dohlen“. Ein paar Einlagen der Show zum letzten Album werden übernommen, zum Beispiel die Schlauchbootfahrt durchs Publikum bei „Hoverkraft“, doch insgesamt scheint diesmal alles noch geschlossener zu sein, die Grenzen zur Tanztheatershow verschwimmen.

Und doch bleibt es letzten Endes das Konzert einer Popband. Es gibt die üblichen Zugaben, im zweiten Teil werden auch mal älterer Hip-Hop-Tracks hervorgeholt, „Bon Voyage“ darf nicht fehlen, und als besonderes Highlight stellt sich das Afrob-Cover „Reimemonster“ heraus. Hier wird weniger choreografiert, auch wenn man am Ende bei einem Song namens „Holt Das Fass Raus“ mit einem überdimensionalen Holzfass durchs Publikum fährt und bei „Limit“, einem der Highlights des Konzertes, zwei Leute an einem Gummiseil gehängt über die Bühne hüpfen. Nach über zwei Stunden endet die Feier über den Untergang des Abendlandes schließlich mit dem Klassiker „Krawall Und Remmidemmi“, der das Publikum – wider erwarten kaum aus betrunkenen Partychaoten bestehend – nochmal so ausgelassen, aber nicht zügellos tanzen lässt.

Wer ein Deichkind-Konzert besucht, kann die derzeit vielleicht beste Bühnenshow einer deutschen Band bewundern, der es hinter viel intelligentem Trash, Humor und Ironie ein wenig an Inhalt fehlt, die aber verdammt viel Spaß bereitet.

Link: Deichkind

© Bildcredits: Universal

Ein Kommentar zu “Deichkind in Braunschweig: Partyspaß mit Trash-Kryptik”

  1. besucher sagt:

    ich bin hier drauf gestoßen weil ich eigentlich auf der suche nach den mehr oder weniger bekloppten musikvideos vor der show war. eins habe ich bisher gefunden, das will ich niemandem vorenthalten: http://www.youtube.com/watch?v=8Uee_mcxvrw

    das gerät was im film vorher vom heli weggeflogen wurde war die alte bühne von vielen früheren shows, im film haben die jungs noch doll hinterhergewinkt und dann gabs ja diese wunderbar fahrenden prismen als ersatz dafür ;)

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