Dieses Album als ein Comeback zu bezeichnen wäre wohl etwas weit hergeholt, denn genaugenommen hatten A Whisper In The Noise in ihrer mittlerweile auch schon zehnjährigen Geschichte noch nie die Zeit, um so richtig da zu sein. Denn als nach dem famosen, von Steve Albini produzierten Album „Dry Land“ von 2007 so etwas wie ein Durchbruch kurz bevor stand, zerbrach die Band auch schon wieder. Chefkauz West Dylan Thordson widmete sich daheim in einem 400-Seelen-Nest irgendwo in Minnesota erstmal der Renovierung eines alten Bauernhofes, sowie der Arbeit an Filmmusik.

Wie schade das eigentlich war, wird einem in den seltenen Momenten klar, wenn man sich dieses zu Unrecht schon fast vergessene Album wieder mal zu Gemüte zieht. „Dry Land“ war Meilenstein eines Genres, dessen Höhepunkte auf den ersten Blick nur schwer zu erkennen sind, da sie sich nicht durch Spektakel oder revolutionären Gestus, sondern durch eine wie in Stein gemeißelte, durch nichts aus der Ruhe zu bringende Monumentalität auszeichnen. Auch heute noch kann einen die ungeschliffene Schönheit und epische Traurigkeit dieser Platte in andächtiges Staunen versetzen. Irgendwo zwischen Postrock und Slowcore hatten sich A Whisper In The Noise ein kleines Denkmal gesetzt, das leider viel zu schnell in Vergessenheit geriet. Wie gut, das Thordson es nun noch einmal wissen möchte. Denn auch, wenn das ironischerweise „To Forget“ betitelte vierte Album der nur zusammen mit Ex-Violinistin Sonja Larson neu formierten Band im Jahr 2012 angesichts eines eher dahinschlummernden alten Herren Postrock wenig Chancen darauf haben dürfte, als nächstes großes Ding entdeckt zu werden, ist es schön, A Whisper In The Noise wieder aktiv zu wissen.

Natürlich bewegt sich das diesmal in völliger Eigenregie aufgenommene Werk in einem innerhalb der letzten zehn, fünfzehn Jahre hermetisch abgesteckten Feld. Dies ist immer noch Musik, die Rezensenten zu allzu naheliegenden Naturvergleichen, vor dem inneren Auge vorbeiziehenden Landschaften und noch zu drehenden Filmen anregt. Aus dem Blickfeld der Band betritt „To Forget“ allerdings durchaus Neuland. Zum Einen wären da die meditativen Field Recordings, die dem Album seinen naturalistischen Rahmen geben, zum Anderen scheint all die spröde, unterdrückte Wut, die „Dry Land“ unter seiner Oberfläche barg hier verschwunden. Das latent Aggressive, das dort nie zum Ausbruch kam, ist hier einer sanften, in sich ruhenden Trauer gewichen, die sich jedoch nie zu einem melancholisch durchzogenem “Alles wird gut”-Lächeln aufraffen kann. So klingt also Resignation. Besonders zu Gute halten muss man der Band dabei, wie sicher sie sich hier auf dem in diesen Sphären so schmalen Grat zum Kitsch bewegt. Denn die schwelgende Geige und sanft schwelende Gitarre suggerieren in Stücken wie dem Opener „To Forget“  oder „A Sea Estranging Us“ sicherlich einiges an Pathos, werden aber von der angenehm rauen Un-Produktion (hier hat sich Thordson sicherlich einiges bei Albini abgeschaut) auf dem Boden gehalten. Der sanfte, zweistimmige Mann-Frau-Gesang gibt dem Ganzen einen eher zaghaft gespannten roten Faden, der “To Forget” zweifelnd zusammenhält.

Wie gesagt, eine Revolution auslösen oder ihrem etwas in die Nische gedrängten Genre zu einer Renaissance verhelfen werden A Whisper In The Noise mit diesem Album sicherlich nicht. Dafür wird es aber auch noch in zehn oder zwanzig Jahren, wenn sich vielleicht kaum noch jemand daran erinnern mag, genauso schön und traurig strahlen wie heute.

70

Label: Exile On Mainstream Records

Referenzen: Low, Savoy Grand, Sigur Rós, Mùm, The Album Leaf, Codeine, Slint, Explosions In The Sky

Links: Myspace | Label | Bandcamp

VÖ: 24.02.2012

Einen Kommentar hinterlassen

Platten kaufen Links Impressum