Nun also auch Craig Finn. Der Hold-Steady-Frontmann reiht sich in die lange Liste jener ein, die es abseits ihrer Band alleine versuchen wollen. Und das, obwohl Finn eigentlich schon immer und erst recht nach dem Ausstieg von Franz Nicolay für die Band stand, sowohl hinter den Kulissen als auch auf der Bühne. Über die Gründe für ein Soloalbum kann also nur spekuliert werden, vielleicht brauchte er nach jahrelangem Touren einfach eine Pause vom Rest der Band.

„Clear Heart Full Eyes“ gibt sich alle Mühe, eben nicht so zu klingen wie The Hold Steady in light und etwas überraschend gelingt dies auch über weite Strecken des Albums. In allen Belangen wesentlich reduzierter macht Craig Finn sehr solide auf traditionelles Singer/Songwriting. Das normalerweise allzu oft betrunkene Piano macht Platz für die Pedal-Steel-Gitarre, die zuvor aufgewühlte Stimme, die bei schnelleren Stücken immer etwas an den Ansager auf der Pferderennbahn erinnerte, wiegt nun sanft im Rhythmus mit. Dazu erzählt uns Finn immer noch Anekdoten und Lebensweisheiten, doch auch hier ist er deutlich zurückhaltender als mit seiner Band im Rücken.

Am Offensichtlichsten wird dies bei „New Friend Jesus“ – ob aufrichtiges Bekenntnis oder nur Hommage an Johnny Cash wird wohl fürs Erste sein Geheimnis bleiben, obgleich dieses Motiv im weiteren Verlauf immer wieder auftaucht („Western Pier“, „Rented Room“). Die Protagonisten in „Boys And Girls In America“ und „Stay Positive“ umwehte trotz ihrer vermeintlichen Ausweglosigkeit mindestens immer ein Hauch Galgenhumor. In „Clear Heart Full Eyes“ sind sie dagegen schon verloren und ihr Schicksal tieftraurig – ganz so, als wolle Finn beweisen, dass er mehr kann als nur gute Laune. Zeilen wie „I’m pretty sure we’re all gonna die“ und „I’m alive except for the inside“ („No Future“), in denen er Freddy Mercury und Johnny Rotten zu Wort kommen lässt, wirken so spröde und unumstößlich, dass zwischen den Zeilen nichts mehr bleibt.

Einzig  „Honolulu Blues“ reißt aus dieser Haltung aus, gleichzeitig ist das Stück ein Grund zur Sorge. Dass der schwächste Song ausgerechnet der temporeichste ist, mag Zufall sein; gleichzeitig könnte sich aber auch eine Entwicklung fortsetzen, die auf dem letzten Hold-Steady-Album „Heaven Is Whenever“ im Ansatz zu beobachten war. Nämlich die, dass die Geschichte des fröhlichen, feiernden Außenseiters allmählich auserzählt und das Konzept an seinem Ende angekommen ist. Wir wollen es nicht hoffen.

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Label: Full Time Hobby

Referenzen: Drive-By Truckers, Bruce Springsteen, The Bottle Rockets, Lambchop, Jason Molina, Johnny Cash

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VÖ: 27.01.2012

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