The Big PinkFuture This

The Big Pink sind schon ziemlich coole Säue. Milo Cordell, der auch ein Musikblog betreibt, hat auf seinem Label Merok mit u.a. Klaxons, The Teenagers, Telepathe, Rainbow Arabia, Salem, Gatekeeper und Active Child über die Jahre ein sicheres Gespür für Trends von Blog House bis Witch House bewiesen. Sein Mix-Beitrag zur „Tapes“-Reihe von !K7 war einer der ersten kommerziellen Versuche, den Ende 2010 umherspukenden Düsterzeitgeist einzufangen, obendrein veröffentlicht das Duo nun auch sein zweites Album auf keinem geringeren Label als 4AD. Schließt man von solchen Referenzen auf die Musik, steht deren moderne Qualität außer Frage.

Wenn es doch so einfach wäre. Auf „Future This“ scheint zwar ein Interesse an Sounds jenseits der 08/15-Palette durch, doch schon The Big Pinks erstes Album war gerade dort am besten, wo es die wenig effektive Soundgalerie dem Pop-Affekt unterordnete. Wie auf der nicht erfolglosen Single „Dominos“, die dem Poptrend zum Abhebe-Refrain in Gitarrenverpackung zuvorkam und deren Produzent Paul Epworth diesmal das ganze Album anvertraut wurde – zuletzt war der Mann u.a. für Florence & The Machine und Foster The People verantwortlich.

Das passt, setzt „Stay Gold“ doch in nahezu gleicher Geschwindigkeit und Rhythmus als ein „Dominos V2.0“ gleich zu Beginn des Albums ein Zeichen, wo Sänger Robbie Furzes Stimme so schnell wie möglich hin soll: Nach oben, wo er hellkehlig die wenigen Worte deutlich über tragende Midtempo-Beats erschallen lässt. „Stay gold! Gold! You shine the light for us to follow!“Auch das Folgestück zeigt keine Bestrebungen, emotional in Bodennähe zu kommen oder seinen Stadionpathos allzu üppig zu verbalisieren („I don’t wanna hit the ground! Oh Superman!“).

Es ist auch exemplarisch dafür, wie The Big Pink um einen kunstvollen Klangentwurf bemüht sind, jegliches Potential ihrer (ohnehin meist halbgaren) Ideen jedoch schizophrenerweise schnell ersticken. Die Vocoder-Vocals Laurie Andersons, im Original ihre Befremdlichkeit frei entfaltend, werden hier bloß eintönig geloopt und alsbald mit einem Füllhorn voll Effekten und einem pathetischen Falsett erschlagen, das „Hit The Ground (Superman)“ spätestens beim Einsatz der unverzerrten Gitarre zum Dashboard-Confessional-Song macht.

Das sirrende Cyber-Feedback und Ambientrauschen in „The Palace“ oder „Give It Up“s Avalanches-ig plattenspielergedämpfter Funk bloß als schmückendes Beiwerk? Na gut. Dass die abwechslungsarmen Beats, enttäuschend öde von Leuten, die doch soviel Ahnung von den Entwicklungen der letzten Jahre haben, wirken als wären sie nachträglich dazu gebeatmatcht worden? Könnte man auch mit leben.

Wenn die Songs selbst mehr als nur adäquat wären. Zu plump inszenieren The Big Pink den ständigen Lauf zum selten catchigen Hymnenrefrain, in „Rubbernecking“ hetzt Furze geradezu durch die Strophen um endlich dieses lästige Obligat hinter sich zu bringen. Ganz schlimm wird es, wenn „Lose Your Mind“ obendrüber ein Musikschüler-Gitarrensolo gniedelt, schockierend radikal dagegen, wenn im Finale eine dünne Leitgitarre überm Rattatazäng-Beat genug Raum für die weite Klangarchitektur drumherum lässt und „77“ kein einziges Mal groß abhebt. Mehr Bodenhaftung oder Erforschung der Tiefen, die sie doch selbst so gerne hören, würden The Big Pink nur gut tun.

48

Label: 4AD / Beggars

Referenzen: Primal Scream, U2, Dashboard Confessional, Kasabian, TV On The Radio

Links: Homepage | Facebook | Soundcloud

VÖ: 13.01.2012

2 Kommentare zu “The Big Pink – Future This”

  1. Pascal Weiß sagt:

    Sind mit 48% echt noch gut bedient. Darüber hinaus: Gern gelesen, Uli;)

  2. Bastian sagt:

    Ich muss beim Namen des Sängers leider immer ganz furchtbar pubertär kichern.

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