Chuck RaganCovering Ground

Wie definiert man eigentlich „Authentizität“? Glauben wir dem Wiktionary, dann stoßen wir auf Begriffe wie Echtheit, Glaubwürdigkeit und Unverfälschtheit. Authentizität, so wissen wir aus unzähligen Debatten, persönlichen Gesprächen oder Uni-Vorlesungen, ist allerdings auch eine Eigenschaft, die eigentlich keine Allgemeingültigkeit besitzt. Denn was für den einen authentisch ist, ist für den anderen aufgesetzter Quark.

Es ist gut möglich, dass Chuck Ragan sich niemals mit derlei Gedanken auseinandergesetzt hat. Vermutlich hatte er in den letzten 15 Jahren auch nur wenig Zeit dafür, schließlich ist er als Frontmann von Hot Water Music nach wie vor der Fixpunkt des zeitgenössischen Punkrock und zudem seit 2008 mit der „Revival Tour“ regelmäßig auf Folk-Mission durch die ganze Welt unterwegs. Es ist daher nur folgerichtig, dass uns das Ergebnis letzterer Aktivität nun in Form seines dritten Solo-Albums vorliegt.

Die Songs auf „Covering Ground“ schrieb Ragan nämlich, während er sich auf den verschiedenen Kontinenten unseres Planeten herumtrieb. So ist es wenig überraschend, dass vor allem dieses Thema sich wie ein roter Faden durch das komplette Album zieht: Das ständige Unterwegssein. Das mag im ersten Moment erschreckend langweilig und ausgelutscht klingen, doch am Ende der gut 45 Minuten Spielzeit hat es Ragan dann doch irgendwie geschafft, dieses alte Folk-Motiv mit Leben zu füllen.

Dabei kann er sich natürlich in erster Linie auf seine völlig verkratzte Stimme verlassen, der man per se erst einmal alles glaubt. Zudem verzichtete Ragan anders als beim Vorgängeralbum „Gold Country“ auf eine allzu üppige Instrumentierung und spielte „Covering Ground“ hauptsächlich mit der Unterstützung von Jon Gaunt an der Geige und Joe Ginsberg am Kontrabass ein. Das lässt den einzelnen Songs ausreichend Platz zum Atmen, was beispielsweise beim sich stetig steigernden „You Get What You Give“ ausgezeichnet funktioniert. Aber auch schnellere Nummern wie „Wish On The Moon“ und „Meet You In The Middle“ brauchen nicht viel mehr als Ragans Reibeisen-Organ, um direkt auf dem nächsten Roadtrip-Mixtape zu landen.

Ausnahmslos für lange Autofahrten geeignet ist „Covering Ground“ allerdings nicht. Dafür versinkt mancher Song („Seems We’re OK“, „Nomad By Fate“) schlicht ein wenig zu sehr zwischen all den nostalgischen Reisegeschichten, weil er außer der nun bereits mehrfach erwähnten Stimme nicht viel zu bieten hat. Von einem Ausrutscher wie dem übertrieben kitschigen „Right As Rain“ gar nicht erst zu reden.

Dennoch:, In Zeiten, in denen die Verpackung mehr zu zählen scheint als das eigentliche Wesen der Musik, hat Ragan ein angenehm einfaches Album aufgenommen. „Covering Ground“ ist nicht im Ansatz modern, es verzichtet gar auf jegliche Überraschungsmomente und Innovationen. Stattdessen suhlt es sich zusammen mit seinem Schöpfer in hoffnungsloser Straßenromantik und huldigt dabei Springsteen, Dylan und all den anderen Helden der amerikanischen Folk-Kultur.

Oder anders gesagt: Es ist authentisch.

65

Label: SideOneDummy

Referenzen: Dustin Kensrue, Greg Graffin, Mike Ness, Bruce Springsteen, Bob Dylan, Frank Turner

Links: Homepage | Facebook | Albumstream

VÖ: 16.09.2011

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