Male BondingEndless Now

Nischen für alle: Nicht nur im World Wide Web, auch in der guten alten analogen Welt finden sich Versammlungsorte für nahezu jeden denkbaren Musikgeschmack. Je spezieller, desto seltener und umso wahrscheinlicher nur in Großstädten. Es gibt Clubabende, Partys, wie immer sie sich auch nennen, zu den dollsten Themen – ob finnische Polka, Bollywood-Disco oder Pop-Punk aus den 90ern.

Bei der letztgenannten Veranstaltung dürfte sich das Noiserock-Gefilden entstammende britische Trio Male Bonding vielleicht nicht selbst pudelwohl fühlen, sein zweites Album „Endless Now“ dafür durchaus. Befreit vom schwammigen Sound des Debüts wetzt das Schlagzeug mit Schmackes und großzügig rollenden Fills (siehe auch: Barker, Travis) nach vorne, druckvoll schiebt das Gitarrenbrett altbewährte Punkrock-Powerchords und gurkige Mini-Soli heraus. Wären die Vocals nicht dermaßen tief abgemischt, könnte man sich vollends an Blink-182 um die Jahrhundertwende rum erinnert fühlen. Wobei die beiden Sänger von Male Bonding selbst die Geschmeidigkeit eines Mark Hoppus noch übertrumpfen. Verwundbar und sensitiver als jede Gesichtscreme positionieren sie sich als Gegenstück zu rotznäsig-aggressiver Teenager-Maskulinität und machen deutlich, dass ihr Bandname keineswegs eine Affirmierung von Lad-Kumpelhaftigkeit darstellt. Bonding läuft hier über gemeinsame emotionale Sensibilität ab anstatt über Fußball, Autos, Babes und Mucki-Tipps oder was sonst noch alles in Men’s Health und FHM als typisch männlich propagiert wird.

Was um einiges interessanter zu verfolgen wäre, wenn „Endless Now“ mehr als den immergleichen unbemerkenswerten Drei- bis Vier-Akkordler im gleichen Tempo und gleichen Schema zu bieten hätte. Brachte die verschiedengradig durchwachsene Aufnahmequalität der Stücke ihrem Debüt noch eine gewisse Abwechslung, lässt die homogene Produktion hier alles allzu schnell monochrom vorbeirauschen. Daran können auch der effektlos überdehnte Sechsminüter „Bones“ und die folkige Akustiknummer „The Saddle“ nichts ändern, ihnen fehlt es ebenso wie ihren formelhaften Nachbarn an den zündenden Ideen, um dieses Album aus der Beliebigkeit zu retten.

53

Label: Sub Pop

Referenzen: Blink-182, Buzzcocks, Wavves, Pre, No Age

Links: Homepage | Facebook | Albumstream

VÖ: 02.09.2011

Einen Kommentar hinterlassen

Platten kaufen Links Impressum