Privatgig: Miles Benjamin Anthony Robinson in Berlin

Erst am Ende des Konzertes nahm Miles seine Sonnenbrille ab, um das Publikum anzublicken. Zum Vorschein kamen sensible und unsichere Augen, die das Konzert sicher nicht so cool überstanden haben, wie es die Brille vermittelte.

Aber das Bedürfnis, diese Augen und das Gemüt dahinter zu schützen, ist nachvollziehbar. Miles Benjamin Anthony Robinsons (im folgenden Text der Einfachheit halber nur mit dem ersten Vornamen genannt, wie er sich auch dem Publikum vorstellte) Musik ist schmerzhaft, zerbrechlich und in gewissem Sinne „schwierig“ – wie das Leben in manchen Zeiten eben auch ist. Vor allem live wird dies deutlich, wo Miles nur von einem zweiten Gitarristen begleitet wird. Mit „schwierig“ ist vor allem der Gesang gemeint: Abgehakt, fast stockend und gebrochen trägt er seine Texte vor, wie man auf seiner aktuellen Veröffentlichung „Summer Of Fear“ auch hören kann. So entsteht fast der Eindruck, dass dem Mann aus Brooklyn das Singen schwer fällt, es zumindest sehr anstrengend für ihn ist. Hier ist Herzblut nicht nur Leidenschaft, sondern auch harte Arbeit. Er blieb seinem Stil während des ganzen Konzerts treu, selbst melodischere Songs des ersten Albums wurden so gesungen und jene, die auf Tonträger mal einen schnelleren Rhythmus haben, langsamer gespielt.

Einen starken Einfluss auf die Spielweise hatte mit Sicherheit das Fehlen einer kompletten Band. Dass eine solche nicht vorhanden war, war zumindest in Hinblick auf die Songs des selbstbetitelten Debüts sehr schade, wo diese sich doch gerade durch ihre Arrangements auszeichnen. Doch auch die alternativen Versionen hatten ihren Reiz und gewannen Intensität dadurch, dass alle Aufmerksamkeit auf Miles‘ Person lag, er eben nicht Teil einer Band war, sondern ein Solokünstler. Da nur etwa 30 Leute anwesend waren, hatte der Auftritt so den Charme, aber auch die Verlegenheit eines Privatkonzerts. Zwar klatschten die Zuschauer begeistert und redeten nicht störenderweise während der Songs, aber eine lockere Stimmung kam an diesem Abend nicht zu Stande. Miles aber wusste mit der Atmosphäre souverän umzugehen. Er spielte einfach seine Songs und machte nur einmal den Versuch, mit dem Publikum zu kommunizieren, indem er die obligatorische Frage stellte, ob alle auch eine gute Zeit hätten. „Yeah, me too. I’m enjoying myself“, gab er dem klatschenden Publikum danach scherzhaft zurück.

Die Setlist war sehr ausgewogen, vier Songs jeweils von seinen beiden Werken, ein Cover und zwei neue waren im Programm. Die Songs des Debüts taten sich vielleicht nur durch die Erinnerung ans Album hervor, sonst waren die Stücke aber alle auf einem gleich hohem Niveau. Mag man „Summer Of Fear“, werden die neuen Songs nicht enttäuschen.

Leider war das Konzert nur etwas länger als eine Stunde, bevor sich Miles verabschiedete, neben der Bühne nur noch Autogramme gab und Smalltalk mit dem Publikum hielt. Es wäre schön, würde er hier mehr Anerkennung finden. Auftritte von Miles Benjamin Anthony Robinson in Deutschland dürfen keine seltene Ausnahme bleiben, vor allem, wenn er mal mit einer Band angereist kommt, die das Potenzial seiner Songs vollends zur Geltung bringen könnte.

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