Cass McCombsWit's End

Bevor „Catacombs“ vor zwei Jahren erschien, hatte man Cass McCombs als einen durchaus spannenden, aber nie wirklich auffälligen Songwriter wahrgenommen. Die drei ersten Alben hatten sicherlich so ihre Momente, konnten auch mit einigen Finessen aufwarten, der ganz große Wurf war aber noch nicht dabei gewesen. Anders beim herausragenden vierten Album. Auf „Catacombs“ tummelten sich herrliche 50er-Jahre-Reminiszenzen, soulige Akustiknummern und feines, meist sehr besonnenes Songwriting. Das helle Cover, das den Katakombeneingang zeigte, führte damals aber noch ein Stück in die falsche Richtung, denn richtig dunkel erschienen die Songs nur in Ausnahmefällen.

Es war somit nicht anders denkbar, als dass sich McCombs nun vom Eingang weg tiefer ins Höhlendickicht gewagt hat und mit dem ihm innewohnenden Samt-Timbre dunklere Töne anschlägt. Bezeichnend ist dabei, dass sich die acht Stücke nicht schon beim ersten Höreindruck entfalten. „County Line“, gleichzeitig Opener und erster Höreindruck, wirkt zunächst erschreckend belanglos. Doch schon beim zweiten, dritten Hineinhorchen erschließt sich dessen mollene Melodie und überrascht durch ihre einnehmende Einfachheit. Dass McCombs in jeden seiner Songs zunächst schmierige und triefende Schleifen hinein singt, macht die eigene Annäherung nicht einfacher und doch ist man versucht, seiner unaufgeregten Erzählweise weit mehr als nur ein Ohr zu leihen.

Die Titel tun ihr Übriges, der schummrigen Stimmung Geleit zu geben. Während „Buried Alive“ dem Namen entsprechend auf der Stelle tritt und vor lauter Langsamkeit den Hörer mit seiner süßlichen und überreifen Harmonik vor eine Zerreißprobe stellt, jazzt „Memory’s Stain“ anfangs leidlich beschwingt vor sich hin und fügt sogar noch ungewöhnliche Cembalo- und Kastagnettenklänge hinzu. Hierbei allerdings von Euphorie zu sprechen, würde „Wit’s End“ zu keiner Zeit gerecht werden. McCombs bleibt im eher zwielichtigen Bereich, in dem purpurschwarze bild- und klangliche Nuancen überwiegen, alldieweil gerade beim zweigeteilten „Memory’s Stain“ zum Schluss mit klagender Klarinette und sirrendem Akkordeon eher tiefer in den Tuschekasten gegriffen wird. Bedächtig und behutsam und eben nicht nur farblich passend erinnert „Wit’s End“ an das großartige „The Night“ der Jazz-Rocker Morphine, nur dass McCombs‘ Stimme wohl eher in himmlischen Sphären zu Hause ist.

Die verschleppten Walzertakte von „Hermit’s Cave“, das stoisch fließende „The Lonely Doll“, all das fügt sich nahtlos zusammen, nimmt sich aber auch ständig zurück, um der Stimmung zumindest eine Art Schatten zu geben. Um absolute Dunkelheit zu erreichen und demnach ganz in den errichteten Katakomben zu verschwinden, davor scheint der Kalifornier aber doch noch genügend Respekt zu haben. Nicht nur durch die immer wieder helltönenden Gitarrenpickings wie im „Pleasant Shadow Song“, vor allem durch das unglaublich abwechslungsreiche und sehr gegenständliche „A Knock Upon The Door“, das zum einen in der Discographie Alasdair Roberts’ auch nicht weiter aufgefallen wäre und zum anderen in den neuneinhalb Minuten dem Licht entgegen fließt und gelassen vor sich hin schunkelt.

Ein Weinvergleich wäre zwar passend, schließlich ist „Wit’s End“ ein erlesenes Vintage-Album, bleiben wir aber in der Welt der Farben: dunkelviolett, fast schwarz … und am Ende wird’s hell.

80

Label: Domino

Referenzen: Morphine, Ed Harcourt, Alasdair Roberts, Rufus Wainwright, Destroyer

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VÖ: 08.04.2011

Ein Kommentar zu “Cass McCombs – Wit’s End”

  1. […] sich der Amerikaner auf, um bestimmt vor allem seine Alben „Humor Risk“ und das fabelhafte „Wit’s End“ live und echt und in dunkel schattierten Farben zu präsentieren. Ob sich nun dabei die eher […]

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