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Ein Folkspaziergang

„Vom Eise befreit sind Strom und Bäche, durch des Frühlings holden, belebenden Blick“ lässt Goethe seinen Faust ausrufen, und wer will es ihm nicht gleich tun. Nach den kernigen Wintertemperaturen sehnt sich schließlich ein jeder nach hellblauem Himmel und sprießenden Knospen. Zum Frühlingspicknick in der Natur gehört aber auch die richtige musikalische Untermalung. Auf der Wiese liegen und dem Vogelgezwitscher zuhören ist eine Möglichkeit, unser Folkspaziergang eine spannende Alternative.

King Creosote & Jon Hopkins – Diamond Mine

Wo wir beim Vogelgezwitscher sind, ist dieses herzerwärmende (Mini-)Album des schottischen Folkpop-Troubadours King Creosote und seines aus dem Elektronikbereich stammenden Mitstreiters Jon Hopkins mit vielen Naturbezügen allererste Wahl. In jedem der sieben Songs werden Geschichten erzählt, nicht historisch sondern vielmehr allgegenwärtig. Mit unverwechselbarer Stimme wandert King Creosote in Abendstimmung an der schottischen Küste entlang und lässt sich neben Gitarre und Streichern von zahlreichen Field Recordings nicht aus der Ruhe bringen.

Empfehlung: Zum beschaulichen Abendspaziergang am Hafen oder im Wald

Label: Domino | Homepage | Albumstream | VÖ: 25.03.2011


Mark Growden – Lose Me In The Sand

Abwechslungsreich und vielseitig ist das neue Album des amerikanischen Multiinstrumentalisten geworden. Wie die Sonnenflecken auf dem Albumcover ist auch die Musik seelenwärmend und spart nicht mit Verve und Spielfreude. Neben Klassikern der modernen Folkliteratur wie in „Shady Grove“ und stilecht interpretierten Coverversionen großer Vorbilder bei „I’m On Fire“ darf auch die amerikanische Nationalhymne nicht fehlen. Allerdings wird die hier geschickt mit dem Text von Janis Joplins Hommage an den Wagen mit dem Stern verknüpft, was ausgezeichnet auf die hier getragen dargebotene Interpretation passt.

Empfehlung: Zum Stockbrotgrillen am Osterfeuer

Label: Porto Franco | Homepage | VÖ: 15.02.2011


Hymns From Nineveh – Hymns From Nineveh

Jonas Petersen verursacht Sufjan-Stevens-Gedächtnismomente. Der Däne erinnert auf seinem Solodebüt gerade zu Beginn bei „Selma“ frappierend an den amerikanischen Ausnahmemusiker, allerdings vor allem an dessen eher beschaulich arrangierte Folksongs. Kristallklar plätschern gefällige Melodien und stimmungsvolle Momentaufnahmen dahin, die gerne auch mal von pointiertem Backgroundgesang oder den gerade so angesagten Streicherarrangements begleitet werden. Nichts auf „Hymns From Nineveh“ lässt Aufregung oder Anspannung aufkommen, so gelöst lässt man sich gerne in den Frühling begleiten.

Empfehlung: Für das Sonntagsfrühstück im Bett

Label: Good Music | Homepage | VÖ: 21.02.2011


Sean Rowe - Magic

Ein bisschen Melancholie gefällig, um die Erinnerung an die hübschen Kaminfeuerabende aufleben zu lassen. Dann sollte „Magic“, welches ursprünglich bereits 2009 veröffentlicht wurde, die Gehörgänge beschallen. Sean Rowe hat hier ein wahrlich magisches Album fabriziert, welches in den traurigen Momenten sicherlich runter geht wie ein trockener Rotwein. Mal klingt er wie ein junger Leonard Cohen, mal wie ein betrübter Van Morrison. Damit wäre dann aber auch allen Klischees genüge getan, die einem Werk gerecht werden, dem seine Güte aber bei Stücken wie dem einnehmenden „Night“ nicht abzusprechen ist.

Empfehlung: Sonntagsnachmittagsblues nach durchzechtem Biergartenabend

Label: Anti | Homepage | Albumstream | VÖ: 18.02.2011


Declan De Barra – Fragments, Footprints & The Forgotten

Der ehemalige Clann-Zú-Musiker wirbelt gehörig Staub auf. Zu traditionsbehaftetem Celtic Folk gesellen sich ungestüme Rockeskapaden und nostalgische Singalongs. Stimmlich wandelt De Barra hier auf den unterschiedlichsten Spuren: Mal ist er Nick Cave, mal Sam Beam, seltener Frank Turner oder David Ford. Mal lässt er sein Timbre in nervöse Tiefen fallen, mal überschlägt sich seine Stimme wie beim beeindruckenden „A City Somewhere“ und manchmal braucht er wie im a capella vorgetragenen „Wind That Shakes The Barley“ nicht mal Begleitinstrumente.

Empfehlung: Für die Landpartie bei jedem Wind und Wetter

Label: Blackstar | Homepage | Albumstream | VÖ: 25.03.2011


Thousands – The Sound Of Everything

Krähen krächzen, ein Bächlein rauscht, eine Gitarrensaite wird sanft angeschlagen … bis hierhin klingt das alles altbekannt und so beginnen sicherlich auch viele weitere Folkplatten. Das Duo Thousands aus Seattle hebt sich dann aber doch von den „Wald-und-Wiesen-Folkern“ ab, auch wenn „The Sound Of Everything“ in jeder Note Naturverbundenheit atmet. Die sanften Gitarrenpickings, das zeitweise aufblitzende Harmonium und die filigranen Harmoniegesänge strahlen Ruhe und Gelassenheit aus, die nur sehr selten beliebig, fast immer aber hell und freundlich erscheinen.

Empfehlung: Für das romantische Picknick auf der Wiese

Label: Cooperative Music | Homepage | VÖ: 18.03.2011

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