Unterwegs


Spaceman Spiff in Hamburg

Spaceman Spiff in Hamburg

Konzerte in der Hamburger Prinzenbar sind für Solo-Künstler immer so eine Sache. Allzu leicht wird es zwischen den Stücken peinlich still in dem kleinen Saal, oft hört man während eines Liedes das Telefon im Backstageraum oder die Kasse der Bar klingeln, und wenn Leute während eines Songs mal ein paar Wörter wechseln, kann jeder im Raum unfreiwillig mithören. Das stört und wird sogleich mit bösen Blicken bestraft. Um all das zu vermeiden, muss der Künstler entweder etwas lauter spielen, die Stimmung durch gute Zwischenansagen auflockern oder die Zuschauer so bannen, dass sie gar nicht anders können, als zuzuhören und sich zu begeistern. Hannes Wittmer alias Spaceman Spiff und seiner Band sollte am Ende dieses Abends all das gelungen sein.

Doch zunächst betrat Hannes Wittmer alleine die Bühne und spielte seinen Song „Treibsand“ akustisch. Noch musste man hoffen, dass der junge Künstler den Abend erfolgreich bewältigen würde. Vereinzelt hörte waren noch zu laut geführte Gespräche des Publikums zu hören, was sich auch beim zweiten Song nicht änderte, als immerhin ein Musiker der Band dazustieß und ihn am Glockenspiel begleitete. Dann aber wurde es auf der kleinen Bühne eng. Schlagzeuger, Bassist und eine Geigerin komplettierten die Band, was zwar mit den vielen Instrumenten auf der Bühne ein wenig gequetscht aussah, aber sich voll auszahlte. Der Effekt, erst ruhig anzufangen, um erst beim dritten Song den Trumpf auszuspielen, ging voll auf. Der Band, die die neue Platte „…Und Im Fenster Immer Noch Wetter“ zwar eingespielt hatte aber noch nie vor Publikum aufgetreten war, war die Spielfreude sichtlich anzumerken.

Aber auch wenn die Band einen großen Teil zur Musik beitrug, allein Hannes Wittmer machte die Musik zu etwas Besonderem. Ihm nahm man jedes Wort ab. Dieser ehemalige Sportstudent hatte etwas zu sagen und wusste das auch mit den richtigen Worten auszudrücken. Doch selbst wenn er Nonsens schreiben würde, müsste man diesen Mann einfach sympathisch finden. Ganz natürlich redete er mit den Zuschauern und seine Freude, als er die Band vorstellte war echt, ebenso wie seine Gerührtheit, als er allen Leuten dankte, die die Veröffentlichung seiner neuen Platte ermöglicht hatten.

Die Musiker spielten die Songs energischer, lauter als die zurückhaltend arrangierten Songs der Platten, aber wechselten dabei oft die Instrumente. Vielleicht etwas zu oft, denn so gab es häufig kleine Pausen zwischen den Liedern. Aber dadurch kam man immerhin in den Genuss der Entertainerqualitäten des Kontrabassspielers, als dieser zur Überbrückung halt mal etwas über Sascha, den Kameramann in der ersten Reihe, erzählte. Viel zu schnell war das erste Set vorbei, als Highlights hatten sich die Songs „Straßen“, „Irgendwo ist immer woanders“ und „Hamburg“ herausgestellt. Doch natürlich gab es auch Zugaben, die das Publikum fast empört darüber, wie schnell die Zeit vergangen war, einforderte. Der “Sommerhit” „Elefanten“ brachte die Meute nochmal zum zurückhaltenden Tanzen und mit der dritten Zugabe, dem Postal-Service-Cover „Such Great Heights“, ging ein denkwürdiges Konzert nach 90 Minuten schließlich zu Ende.

Es bleibt nur zu wünschen, dass Spaceman Spiff seine CDs nicht für immer in einem Buchverlag herausbringen muss und dass auch zukünftig so viele Leute zu seinen Konzerten kommen werden. Er hätte es verdient.

Reinhören: Bandcamp


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