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Fuck with Jesus: Tyler, The Creator und OFWGKTA

Fuck with Jesus: Tyler, The Creator und OFWGKTAJesus hatte neulich bei ihm angerufen; er sei es leid, andauernd beleidigt zu werden. „Hör auf rumzuheulen, das hier ist keine verdammte Hotline“, hatte Tyler nur gesagt und das Gespräch sofort danach beendet. Im Songtext behauptet er das zumindest. Sollte es sich so zugetragen haben: Es würde immerhin gut ins Bild passen. The Creator, das ist schließlich er, Tyler, und nicht irgend so ein Allvater – und Jesus schon mal gar nicht, selbst die Kirche unterstellt das nicht, von ein paar desertierten Kreationisten vielleicht mal abgesehen.

So oder so sind die dabei entstandenen Inszenierungen gar nicht mal so verschieden: Hauptsächlich zehrt auch „Yonkers“ von der typischen amerikanischen Überheblichkeit, mit der Tyler im Hip-Hop offene Türen einrennt. Dass der textliche Bogen dabei so grotesk überspannt ist, dafür kann er gar nichts: Gerade weil im Song ansonsten nicht viel geposed und gesampelt wird, geht das nicht anders, für alles andere würde er schlicht mit Ignoranz gestraft. Wie Tyler das löst, ist eigentlich sogar sehr lustig, aber das traut sich so natürlich keiner zu sagen. Die anständige Reaktion auf ein Musikvideo, das mit einem Suizid endet, ist eben erst mal Empörung, mindestens aber ein gesundes Maß an Zurückhaltung.

Dabei überrascht die visuelle Komposition von „Yonkers“ eigentlich niemanden, der Tyler The Creator als heimlichen Kopf vom wahnsinnigen, bedrohlichen Kollektiv Odd Future Wolf Gang Kill Them All kennt. Die Musikpresse hat sie neulich mal den neuen Wu-Tang-Clan getauft, eingefallen ist das eigentlich nur einem, der Rest hat abgeschrieben und sich damit aus Versehen mit elf Jungs angelegt, die mächtig aggressiv werden, wenn man sie mit anderen Künstlern vergleicht. Vielleicht war das die Rache für die Türsteher in Boston, die selbst dem Ältesten von ihnen noch schwarze Kreuze auf die Handrücken malen würden. Vielleicht war es aber auch der Plan, um vorab für die nötige Aufmerksamkeit zu sorgen, und wenn dem so war, dann hat er jedenfalls funktioniert.

Es ist auch nicht Tylers erster Alleingang, „Yonkers“ war explizit als Vorgeschmack auf sein zweites Soloalbum „Goblin“ gedacht. Bei allem Idealismus war das ein ziemlich berechnender Schritt, auch das passiert Tyler so schnell nicht wieder, dass er dahingehend unterschätzt wird, womöglich noch wegen seines Alters von erst 19 Jahren. Es ist halt ein Kräftemessen, selbst wenn man sich da eben manchmal mit dem Fundamentalismus anlegen muss. Und wenn sich Jesus nach so langer Zeit tatsächlich mal wieder auf der Erde zu Wort melden würde: Warum eigentlich nicht bei ihm? Kurz durchrufen kann man ja mal.

„Yonkers“ von Tyler, The Creator ist bereits via XL erschienen. Das dazugehörige Album „Goblin“ erscheint im April 2011.

Links: Tyler, The Creator | Odd Future Wolf Gang Kill Them All


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2 Kommentare zu “Fuck with Jesus: Tyler, The Creator und OFWGKTA”

  1. [...] bis auf die musikalischen Knochen, steht er im Nachfolge-Schatten der Beatmacher des Odd-Future-Kollektivs. Doch so hart, roh, kompromisslos sind selbst da bloß nur wenige Tracks. Und wo Tyler und Co. [...]

  2. [...] Ästhetik, am besten mit zentralem Symbol, ist daneben schon fast ein Muss; The Weeknd, WU LYF oder Odd Future haben dies zuletzt demonstriert. Hype Williams hingegen haben den Mittelweg der Unklarheit [...]

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